Finnland: Roadtrip

Martin war aus irgendeinem Grund auf die Idee gekommen nach Finnland zu fahren. Ich wollte schon länger dahin, weil mich der Film „Zugvögel – die Reise nach Inari“ auf das Land neugierig gemacht hatte und so haben wir uns recht schnell an die Reisevorbereitungen gemacht. 3 Wochen wollten wir uns Zeit nehmen. Mit dem Auto auf dem Landweg zu fahren erschien uns als zu aufwändig und so haben wir uns bezüglich der Fähre informiert. 24 Stunden dauert die Überfahrt von Rostock nach Hanko und der Preis von 850 € ist nach genauerer Kalkulation eigentlich nicht zu teuer, denn Sprit, Brücke und Fähre haben auch ihren Preis wenn man über Dänemark und Schweden fährt. Außerdem ist es bequem und für sich schon ein Erlebnis.

Die Überfährt hat dann auch problemlos geklappt. Auf der Fähre haben wir sehr lecker am Büffet geschlemmt, sind in die Sauna gegangen – man hat dabei einen tollen Blick direkt auf die Ostsee – und haben uns mit zwei anderen eine Kabine geteilt.

In Hanko haben wir uns dann einen Stellplatz an der Ostsee gesucht, sind dann aber am nächsten Tag direkt nach Helsinki. Die Stadt selber ist nicht so schön. Sehenswert ist allerdings alles was an der Ostsee liegt. Der Hafen mit all den großen Passagierschiffen, die Promenade und der angrenzende Park.

Danach sind wir dann in Richtung Norden aufgebrochen. Ziel war Savolina, eine alte Stadt inmitten von vielen Seen und einer schönen alten Burg. In der sind einmal im Jahr die Opernfestspiele und jeden Tag gibt es eine Aufführung. Tolles Ambiente! Wir haben uns für ein finnisches Stück entschieden. Thema: Ein reicher, gut gekleideter und wortgewandter Russe kommt in ein finnisches Dorf. Die hübsche Frau des einsiedlerischen und treuen Bauern verliebt sich in ihn. Der Russe hat jedoch alles andere als Treue im Kopf und vergnügt sich mit etlichen anderen Mädchen.

Danach sind wir dann weiter in Richtung Norden. Ein richtiges Ziel hatten wir nicht, haben unterwegs aber Raimo kennengelernt. Raimo hat ein sehr schönes Grundstück mit Haus an einem See und hat uns dort zum Campen eingeladen. Abends sind wir dann in seine Sauna, später mit seinem Boot raus zum Angeln (wir haben Brassen gefangen) und danach zum Cognac trinken. Nach der dritten Flasche (zu dritt) haben wir dann Reißaus genommen und uns in den Bulli verkrümelt. Nett war es, aber dieser schlechte Cognac führt doch zu allerhand Kopfschmerzen.

Raimo hatte uns abends aufgeklärt, was hier im östlichen zentralen Finnland sehenswert ist. Wir hatten Paddelboote auf dem Dach und so hat er uns den Fluss „Jongunjoki“ empfohlen. Dieser fängt 200 km nördlich von Joensu an und schlängelt sich in Richtung Süden durch unberührte Urwälder an der russischen Grenze. Alleine die Anreise war schon abenteuerlich, denn die letzten 100 km führen auf einer Schotterpiste durch unbewohntes Land. Am Einsatzpunkt sind wir zwei Nächte hängen geblieben, weil es so schön und ruhig war. Das führte dann dazu, dass wir irgendwann einkaufen mussten und das bedeutete 100 unbesiedelte Kilometer in Richtung Norden zu fahren. Dort war eine sehr kleine Ortschaft, in der ein spärlich bestückter Supermarkt uns mit dem nötigsten versorgt hat.

Die vier Paddeltage auf dem Jongunjoki waren phantastisch. Ich bin schon viel gepaddelt, aber vier Tage kein Haus und keine Straße zu sehen war auch für mich ein neues Erlebnis. Die Ufer des Flusses sind quasi nicht begehbar, weil man durch hohes Gras, durch Sumpf und über umgefallene Bäume steigen müsste. Die Unzugänglichkeit unterscheidet sich hier nicht vom Amazonas Regenwald.

Übernachtet haben wir auf dafür ausgewiesenen Plätzen. Diese waren immer gleich ausgestattet: Offene Hütte, Feuerplatz, Brennholz und Plumpsklo. Die Plätze waren kostenlos und nur einen Abend haben wir den Platz mit anderen Paddlern teilen müssen. Der Jongunjoki selber ist ein schmaler Fluss, der die eine oder andere flotte Stelle beinhaltet (max. WW 3), aber auch in kleine Seen übergeht. Alles in allem gut zu paddeln, abwechslungsreich, ursprünglich und Natur pur. Ein wirklich besonderes Erlebnis, wenn ich nochmal in der Ecke bin, paddel ich ihn auf jeden Fall nochmal.

Danach sind wir weiter nach Karelien. Dort haben wir uns einen schönen Stellplatz am See gesucht und gefaulenzt. Das Wetter war warm, Martin konnte sich gerade mal zum Essen von seinen Büchern trennen und ich bin viel mit dem Boot auf den Seen gepaddelt und habe die kleinen Inseln erkundet. Danach sind wir dann langsam nach Hanko gefahren. Unsere Abreise verzögerte sich leider, da unsere Fähre einen Tag Verspätung hatte. Dafür konnten wir dann kostenlos in einem tollen Hotel in Helsinki logieren und uns abends die Stadt nochmal ansehen.

Resümee: Toller Trip in ein vermeintlich teures Reiseland. Denn die Preise für die meisten Dinge sind wie in Deutschland. Zigaretten und Alkohol natürlich deutlich teurer. Die Überfahrt mit der Fähre kann ich nur empfehlen. Das spart Nerven und ist nicht viel teurer als alles mit dem Auto zu fahren. 3 Wochen für den Trip waren gut, 4 Wochen wären besser gewesen. Die Boote mitzunehmen ist darüber hinaus empfehlenswert, weil Finnland sich ja durch die Seen definiert. Schön, wenn man diese Seite des Landes ausgiebig genießen kann. Besser als die Einer wäre der 2er-Falter mit Segel gewesen, denn zum Segeln laden die Seen geradezu ein.

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