Peru: Die Polizei, dein Wegelagerer und Geldabzocker (Tag 3)

JimmyHeute Morgen wollte ich in meinem 3 €/Nacht Hotel duschen. Klar ist, für den Preis bekommt man nur kaltes Wasser, wie kann es auch anders sein? Aber ich hatte den Willen, der Wirt wies mir noch freundlich den Weg in den ersten Stock – da dort angeblich mehr Wasser aus dem Hahn kommt – ich zog mich im Bad aus und drehte den Wasserahn in der Dusche auf: Heraus kam ein Rinnsälchen mit dem sich vielleicht ein Meerschweinchen hätte duschen können, aber kein ausgewachsener Marc. Mit den paar Tropfen habe ich dann dürftig die Schambereiche reinigen können, das war´s. Alfredo und Ute wollten nach mir duschen, bei denen kam gar kein Wasser mehr. Billig hat halt auch irgendwie einen Preis 😉

Rückfahrt nach Chosica war für 9 Uhr geplant, um 8:45 Uhr saßen wir alle drei überpünktlich im dick bepackten Jimmy. An eine vierte Person wäre nicht mehr zu denken gewesen. Aufgrund der Sprachbarriere bildete ich – wie schon gestern – das Medium: Entweder unterhielt sich Ute oder Alfredo mit mir oder Ute wollte – vom sichtlich desinteressierte Alfredo – Details seiner Perubereisung wissen. Ute spricht kein Spanisch und kein Englisch, dafür durfte ich dann in beide Richtungen übersetzen. Das ist doof, wenn man dabei Pisten fahren muss. Zwei bis dreimal haben wir noch angehalten und die schöne Landschaft genossen, dann waren wir in Chosica, haben für Ute Geld geholt, ihr ein Taxi nach Tamara besorgt und Alfredo ist mit dem Sammeltaxi nach Lima um Mittwoch dann nach Mexico zurück zu fliegen. Dann war ich wieder alleine Ich bin dann wieder zurück aufs Land gefahren, um dort in einen der schön gelegenen Hotelanlagen abzusteigen und mich von den Strapazen zu erholen.

Dabei bin ich in eine Polizeikontrolle geraten und nachdem der Polizist alle meine Papiere hatte, mit mir ausgiebig das fehlende Ablaufdatum auf meinem Führerschein diskutiert hat (und es nicht so recht glauben wollte, dass der nicht erlischt), wurde ich darüber belehrt, dass ich ohne Licht gefahren sei. Das sei nun mal außerhalb von Lima Pflicht, wurde mir verkündet. Ich schaute mir jene Autos an, die auch raus gewunken wurden und in der Tat, die hatten alle auch kein Licht an. Es war so jedes zweite Auto. Okay, hätte man also drauf kommen können. Jetzt wurde ich also belehrt wie schlimm das ist, was ich gemacht habe, weil ich die Sicherheit aller (Peruaner?) gefährdet hätte. Er müsse deswegen eine Strafe erheben und hierfür hätte er hier einen Block, in den er das einträgt. Was macht man dann? Man fragt, was es kostet, oder? Ich habe es gemacht und er hat mich von neuem darüber belehrt, dass ich das Licht anmachen müsse, das hier der Schalter dafür sein, dass es gefährlich sei ohne Licht zu fahren und dass er mir jetzt mit diesem Block eine Strafe aufbrummen müsse. Ich also nochmal gefragt, was ich jetzt zahlen müsse und das ganze Spiel ging nochmal von vorne los. Das ganze dreimal hintereinander. Nun ist mein Spanisch sicher nicht perfekt, aber es reicht, um das alles zu verstehen und die richtigen Fragen zu stellen und Antworten zu geben.

Es war klar, ich konnte nicht nochmal fragen, was es kostet, sonst wäre einer von uns beiden durchgedreht. Ich habe dann deswegen gesagt, ich wisse einfach nicht was der nächste Schritt hier im Prozess sei und ich sehr wohl verstanden hätte, dass es seeeeeehr gefährlich ist ohne Licht zu fahren und ich das jetzt immer anmachen werde. Ich war versucht hinterherzuschieben: Dies auch in Deutschland, obwohl wir kein schwachsinniges Tagfahrlichtgebot hätten. Arrrrg. Die Antwort: Polizisten haben Hunger! Sie möchten bald etwas essen gehen. Beim Gringo – also bei mir – ist dann endlich der Groschen gefallen: Der will seinen Block nicht verwenden, der will das Geld so einstecken. Ich habe dann gefragt, wie viel Hunger die Polizisten denn so hätten und er sagte, für 10 Sol bekomme man schon was. Auch wenn das in den Bergen zwei Hotelübernachtung sind, ich habe hier nicht gegeizt und ihm gleich 20 Sol gegeben. Er war sehr nett danach, ich dann aber letzten Endes doch ein wenig angefressen. Nunja, jetzt weiß ich wenigstens, wie der Hase hier so läuft.

Um 13 Uhr habe ich dann in einem schicken Hotel eingecheckt und mich für den Rest des Tages am Pool von den vielen Erlebnissen erholt. Fotos gibt es deswegen nur von der Hotelanlage. Schön zu sehen ist, wie trocken hier die Berge sind und nur am Fluss etwas grün wächst. Die Rasenflächen müssen bei der Wärme regelmäßig gewässert werden. Außerdem habe ich meinen letzten Ausflug nach Pachacamac vorbereitet. Dazu dann natürlich mehr im nächsten Beitrag!

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Peru: Marcahuasi oder die nicht enden wollende Wanderung (Tag 2)

6 Uhr wollten Alfredo und ich los laufen. Mit zu spät aufstehen und gemütlich Tee trinken ist es dann 7 Uhr geworden. Die Sonne war gerade hoch, auf den ersten Metern haben wir eine ältere Frau mit Esel gesehen, die auch den Berg hoch ging. Ihr Schritt war leicht, nicht zu schnell und unser Plan schnell gefasst: Da hängen wir uns dran. MarcahuasiDen Plan haben wir nach 5 Minuten verworfen. Muskel-technisch hätten wir ihr folgenden können, Sauerstoff-technisch keine Chance. 3200 Meter machen sich doch bemerkbar, auch wenn man mit Tabletten dobt. Man muss langsamer gehen. Die meisten Touristen lassen sich übrigens mit Pferden hoch tragen und gehen dann runter. Wir natürlich nicht.

Die Entfernungsangabe aus dem Ort „Marcahuasi 4 km“ haben wir auf der ganzen Strecke verteilt drei mal gesehen. Man nimmt es halt nicht so genau. Daraus ist dann der Spruch entstanden „diez minutos mass“, also zehn Minuten noch bis zum Ziel. Richtig auf dem Berg waren wir allerdings erst um 12 Uhr, also fünf Stunden später, dafür aber am hinteren Ende des 5 km langen Hochplateu. Wir sind also stramm immer links daran entlang gelaufen – natürlich mit entsprechender Steigung. Denn das Hochplateu liegt auf 4200 Meter und bietet damit einen Atem beraubenden Blick ins Tal. Besonders schick war es als der Nebel im Tal einzog und wir somit über den Wolken standen. Darüber hinaus gab es auf dem Hochplateu schöne Seen und urige Felsformationen. Mal sieht es hier aus wie in einem Amphitheater, mal wie ein alter Inka und dann wie ein Deutscher mit Helm. Man muss den Berg halt irgendwie verkaufen, auch wenn er so schon wirklich sehenswert ist. Aber seht euch selbst die Bilder an.

Auf dem Hochplateu haben wir uns bis 14 Uhr aufgehalten, dann sind wir abgestiegen. Während ich auf dem Hinweg auf die tolle Landschaft geachtetet habe, ist mir auf dem Rückweg durch den Nebel die Flora aufgefallen. Sehr abwechslungsreich, das Highlight ist ein Wald aus Kakteen wie im Bilderbuch. Um 17 Uhr waren wir wieder im Dorf und fix und foxi, dafür aber um ein tolles Erlebnis reicher. Die Bilanz: 20 km gelaufen und dabei 1 km hoch und 1 km wieder runter. Ich bin heute (4 Tage später) noch leicht schlapp davon.

Wir haben dann in einem einfachen Restaurant gegessen und während dieses zubereitet wurde, frischen Käse gekauft. Den gab es zwei Häuser weiter, von Hand gemacht, 100 % Bio, für 2,50 € (500 g) und super lecker! Beim Essen haben wir noch Ute aus Leipzig kennen gelernt, ca. 50, sächselnd, keine Englisch- und Spanischkenntnisse, für 3 Monate in Peru unterwegs und am Freitag erst in Lima gelandet. Nunja. Abends im Hotel hat der Wirt mich gefragt, ob ich Alfredo und Ute morgen nach Chosica bringen könnte. Eigentlich wollten die beiden mit dem Bus um 6 Uhr früh fahren, aber irgendwie ging das nicht. Da ich eh fast nach Chosica wollte habe ich beide natürlich mit genommen. Denn Alfredo war mit ja mit seinem Latinostolz und Latinokulturfimmel ans Herz gewachsen 🙂

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Peru: Mit dem Jimmy nach „San Pedro de Casta“ (Tag 1)

Endlich hatte ich vier Tage Zeit, habe mir einen kleinen Geländewagen – einen Suzuki Jimmy – gemietet und eine Reise in die Berge gegönnt. Das raus Fahren aus Lima hat mich dann voll gefordert: Der Verkehr ist dem von Manila (Philippinen) eben würdig. Das ist  lange her, dass ich dort gefahren bin. Ich hatte einiges verlernt und mich ein paar mal erschrocken, wenn es eng wurde. Nach einer halben Stunde ging es dann. Man muss die Nerven bewahren und wie ein Fisch im Strom mitschwimmen, dann geht´s.

Lima erstreckt sich selbst in die Berge hinein ewig. Das erste mal, dass ich eine Baulücke am Straßenrand gesehen habe, da war ich 50 km außerhalb. Dann wurde es aber auch bald sehr urig, die Straße war nicht mehr asphaltiert und die eine oder andere Rinnsaldurchfahrt musste geleistet werden. Mein Navi – welches ich gut sichtbar am Innenspiegel befestigt hatte – verlor oft die Route. Die Karten sind einfach zu ungenau. Die Ausschilderung nach San Pedro war quasi nicht existent und ein paar mal musste ich nach dem Weg fragen.

DSC_0251Die Landschaft hingegen wurde immer atemberaubender – siehe Bilder: Tiefe steile Schluchten, ein tosender Fluss, der selbst vom Weiten noch laut zu hören war und nackte Felsen bis zum Abwinken. Je höher ich jedoch kam, desto mehr setzte die Vegetation ein. Hier scheint es mit der Baumgrenzen umgekehrt zu sein: Unten ist es zu trocken, da wächst nichts, oben hingegen schon. Die Straße wurde immer enger, die Schluchten steiler und tiefer. Irgendwann habe ich den Allrad an gemacht. Der Jimmy drehte hinten immer durch und hüpfte bei den vielen Schlaglöchern ständig vorne auf. Mit Allrad fuhr er deutlich sicherer. Mit einem PKW wäre es noch irgendwie gegangen, vernünftige Fahrer wären aus Liebe zu ihrem Fahrzeug aber umgekehrt.

Die letzten 20 km bin ich aus dem 1 Gang nicht mehr rausgekommen. 25 km/h waren das höchster aller Gefühle. Die letzten km – mein Navi war längst der Meinung, wir seien da – habe ich nicht mehr geglaubt San Pedro zu erreichen. Das letzte mal, dass ich jemanden gesehen hatte, war eine Stunde her. Irgendwann kamen mir dann Sportler auf ihrem Fahrrad entgegen und versicherten mir, dass ich gleich da sei. Eine alte Omi saß am Wegesrand und bat mitgenommen zu werden. Keine Zähne mehr im Mund, bestimmt 70 Jahre auf dem Tacho und wusste nicht, wie man eine Autotür öffnet. Aber Bomben Stimmung und nur am lachen. Verstanden haben wir uns jedoch nicht so recht. Sie hört nicht mehr so gut war ihre Aussage – willkommen im Club dachte ich mir 😉

In San Pedro angekommen gleich ein Hotel gefunden (10 Sol/Nacht, also 3 €) und mit der Kamera los geflitzt und Fotos vom Dorf gemacht. Tolles Licht, urige Gebäude, quasi keine Autos und alles noch Selbstversorger. Dafür eine tolle intakte Dorfgemeinschaft, jeder grüßt jeden und man hat immer Zeit für einen Plausch (auch mit den Touristen). Abends dann für 10 Sol leckere Flussforelle gegessen und Alfredo aus Mexico kennen gelernt. Er ist für 10 Monate in Südamerika unterwegs und das ist sein letzter Abstecher. Übermorgen soll es zurück nach Lima, einen Tag später zurück nach Mexico gehen. Smarter cooler Typ, 24 und seinen Vorschlag, morgen mit ihm auf den Berg zu steigen, nehme ich gleich an.

Ein wenig Bauchschmerzen hatte ich dabei jedoch schon – Warum? Ich war nach San Pedro gefahren, um mich an die Höhe zu gewöhnen. Das liegt hier auf 3200 Meter und ist ein guter Einstieg. Schon auf den letzten Metern im Auto habe ich gemerkt, dass mein Mageninhalt sich irgendwie zusammenzieht, obwohl mir nicht wirklich schlecht war. Dafür hatte ich leichte Kopfschmerzen und einen verspannten Nacken. Vorboten der Höhenkrankheit, ich habe sofort mit entsprechenden Medikamenten gegen gesteuert und die haben gewirkt. Würde ich so den Berg morgen mit dem Doping besteigen können? Das erfahrt ihr im nächsten Beitrag 🙂

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Peru: Taxi fahren in Lima

Von meinem Hotel zur Universität sind es 15 km übelster Stadtverkehr, also ein ganzes Stück. Man kann mit den öffentlichen Bussen hier recht günstig fahren, das aber ist sehr zeitraubend (ca. 1 Stunde), man sitzt schlecht und wenn man Pech hat, sind die Klamotten hinterher dreckig. Der Preis ist dafür unschlagbar. Für knapp 1 € kommt man hin und für einen weiteren zurück. Jeden Tag zwei Stunden im Gestank der Autos und der Achtsamkeit, dass einem das Laptop nicht geklaut wird, muss ich nicht haben. Also fahre ich meistens mit dem Taxi. Das ist in den meisten Fällen bequemer, als mit dem Bus. Aber Taxi fahren hat auch seine Eigenheiten und darüber berichte ich hier:

Als erstes muss der Preis ausgehandelt werden, denn es gibt kein Taxameter. Mann oder Frau winkt also ein Taxi an der Straße ran, es hält, man springt an das Fenster des Fahrers und sagt, wo man hin will. Er nennt einem dann einen Preis, normalerweise ist der überzogen und das Verhandeln geht los. Ich gebe zu, von Natur aus bin ich kein Händler, aber will man sich nicht täglich über den Tisch ziehen lassen und der dumme Gringo sein, muss verhandelt werden. Drum ist der Taxifahrer ab diesem Moment Opfer aller meiner hier erlernten Psychotricks:

1. Sehr beschäftigt und zügig ans Taxi rantreten und sehr bestimmt sagen, wo man hin will. Sprachlich orientiere ich mich dabei an der spanischen Ausprache, sie ist viel härter als die der Peruaner und wirkt dadurch sehr bestimmend (die Kolonialgeschichte scheint auch an der Sprache nicht spurlos vorbeigegangen zu sein). Es ist hier wichtig, dass er mich nicht als Tourist wahrnimmt, sonst wird das alles gleich sehr teuer. Als Gringo macht er mir so oder so einen Aufschlag.

2. Fängt der Taxifahrer an zu denken schiebe ich sofort Details zur Route nach, also wo er lang fahren soll. Er soll halt nicht lange denken und ihm soll klar sein, dass ich weiß wo ich hin will.

3. Jetzt kommt der garantiert überhöhte Preis (20-25 Sol; 7-8 € ), weil die Taxifahrer sind ja auch nicht ganz dumm.

4. Jetzt Gegenpreis nennen. Es gibt so eine untere Linien, für die fahren die Jungs meistens noch, die wird genannt und ist somit würdig: 12 Sol (4 €).

5. Jetzt kommt er, er wird was von viel Verkehr erzählen, weitem Weg und ggf. ein wenig empört sagen, dass er mind. 18 Sol (6 €) benötigt.

6. Das ist noch zuviel. Man kann ihn jetzt nicht bloßstellen, man muss ihm entgegen kommen. Ich nenne dann 14 Sol. Kommt er mir dann nicht entgegen sage ich, ich würde niiiiiieeeee mehr als 15 Sol (5 €) zahlen. Harte Taxifahrer wollen sich darauf manchmal nicht einlassen.

7. Ab jetzt hilft smart sein: Lächeln, ggf. mit den Augen schielen, dann müssen die harten Jungs auch lächeln und dann sitzt du drin. Er hat trotzdem eine gute Fahrt, denn die Peruaner hätten ihm nur 13 Sol bezahlt, aber so what. Damit kann ich leben.

Stephan – also Prof. Paulini, der DAAD-Lektor für Perú – ist der Meinung, dass Taxi fahren hier viel besser ist als sich mit dem eigenen Auto zu bewegen. Man muss selber nicht fahren, preislich gibt es sich nicht viel und du hast kein Risiko wegen Totalverlust und kein Ärger mit Polizei und Reparaturen. Selbst für mich als leidenschaftlichen Bullifahrer klang das einleuchtend und sehr vernünftig, ich habe ihm unmissverständlich zugestimmt. Stephan fährt immer mit dem Taxi.

Taxi in LimaNach fast vier Wochen Taxi fahren wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein eigenes Auto! Viele Taxis sind total abgerockt. Wenn du dich reinsetzt, fällst du auf das Bodenblech durch, so ausgeleiert sind die Sitze. Mindestens die Hälfte der Taxifahrer fährt wie die letzte Sau, die Hupe bedarf eher eines Unterbrechers als eines Einschalters. Da fast alle auf eigene Rechnung fahren sitzen sie 7 Tage die Woche am Lenker. Die nervliche Belastung des Straßenverkehrs in Lima merkt man ihnen an. Sie zucken, rutschen nervös auf dem Sitz herum und schalten andauernd an irgendwelchen Schaltern herum, dessen Sinn sich nicht mal einem alten Autoschrauber wie mir erschließen will. Etliche haben auch die Angewohnheit den Straßenlärm durch ein 120 dB lautes Radioprogramm zu übertönen. Die High-Rotation von NDR1-Lima kenne ich bereits auswendig. Stephan, ich bin jetzt anderer Meinung!

Anbei habe ich euch ein Foto von einem Taxi angehängt. Also, genießt eure Ausfahrten im eigenen Auto, mit der Bahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Das ist purer Luxus, euch geht es verdammt gut 😉

Peru: Museo Metropolitano de Lima & Museo Oro del Perú

Am Ostersonntag war auch für mich arbeitsfrei, ich kann ja nicht ganz durcharbeiten. Auf meiner Agenda standen heute zwei Museumsbesuche die spannend waren: Zuerst bin ich ins stadtgeschichtliche Museum von Lima gegangen (Museo Metropolitano de Lima). Das Museum kann jedoch nicht selbständig exploriert werden, man muss mit bzw. in einer Gruppe durchgehen. So hieß es folglich sammeln und dann in der Horde rein ins Museum, wir waren ca. 20 Leute. Das Museum als Museum zu bezeichnen fällt mir schwer. Es war eine Aneinanderreihung von stadtgeschichtlichen Filmen in unterschiedlichen Räumen, die für die jeweils dargestellte Epoche hergerichtet waren, bsp.: Wenn der Einfluss der spanischen Kirche gezeigt wurde, dann wurde man in einen Raum gelassen, der wie eine Kirche von innen aussah. Dort wurde dann ein entsprechender Film gezeigt. Highlight war die Darstellung des Erdbebens in 3D und bedrohlich wackelnden Kinosessel. Der Film über die Waki (600-900 n.Chr.), die regelmäßig 12-16 jährige Mädchen aus gutem Hause geopfert haben, dürfte Slasherfilm-Fans gut gefallen. Die Enthauptung eines Mädchens sowie eine nachfolgende Kampfszene, in der der Untergang der Waki gezeigt wird, lässt keine Details aus und setzt im richtigen Moment auf Slowmotion. Ob die dabeigewesenen Kinder heute Nacht gut schlafen? Auch wenn etliche Filme erzählerisch gut gemacht waren – im übrigen alles auf Spanisch und kaum belästigende historischen Hintergründe – war ich froh, als ich nach 90 Minuten raus war. Freizügigkeit und weniger Multimedia wäre aus meiner Sicht angebracht, um das Konzept – für mich – ansprechender zu machen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es dem Großteil der Besucher hier gut gefällt. Hierzu gibt es keine Bilder, fotografieren ist dort nicht möglich.

TumiNach soviel Multimedia stand das Goldmuseum (Museo Oro del Perú) auf meiner Entdeckerliste. Der Eintritt mit 33 Sol (ca. 10 Euro) ist für hiesige Verhältnisse schon ganz ordentlich (das vorhergehende Museo Metropolitano hat gerade mal 4 Sol, ca. 1,2 Euro gekostet), kann jedoch als lohnenswerte Reiseausgabe verbucht werden. Denn in diesem Gebäudekomplex verbergen sich weltbekannte Goldschätze der Inka-Kultur. Als erstes muss man durch die Waffenkammer des Museums und die ist umfangreich und ebenfalls sehenswert. Ich habe noch nie so viele Waffen der unterschiedlichsten Gattung auf einmal gesehen und würde Lima morgen angegriffen, mit diesem Waffenarsenal hätten sie eine Grundausstattung, um sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Es geht mit dem Mittelalter los und viele Ritterrüstungen sind in Vollausstattung inkl. der gesamten, damals für einen Ritter üblichen, Waffenausstattung ausgestellt. Dann geht es weiter mit Vorderladern, Repetiergewehren, Revolvern, Pistolen und Maschinengewehren. Die Sammlung der letzten Jahre fokussiert auf Pistolen besonders bekannter Politiker und Generäle wie Pinochet (Chile), Fidel Castro (Cuba) oder John F. Kennedy (USA). Fragt sich, ob die Schenkenden der aufwendig verzierten Waffen bei der Schenkung die Selbstverteidigung oder das Werkzeug für die Selbsttötung der Beschenkten im Sinn hatten 😉

So, ich habe aber Gold versprochen! Dafür musste man im Museum in den Keller und dort fanden sich all die vielen Vorlagen für den auf der ganzen Welt populären Inkaschmuck. Ich denke, wer diese Art von Schmuck leiden mag, ist hier genau richtig. Alles echtes Gold und wirklich sehr schöne Ketten mit z.B. türkisfarbenen Steinen im Wechsel mit Goldkugeln. Sehr imposant fand ich die Masken der Sonnengötter sowie die dazugehörigen goldenen Handschuhe. Ebenfalls zu sehen gab es richtige Mumien sowie etliche Totenschädel getöteter Gegner. Auch gezeigt wurden Schädel, deren Decken aufgeschlagen und später das Loch mit einer Metallplatte verschlossen wurde. Ich habe dazu einmal im Germanistikstudium einen Text gelesen. Angeblich wurde durch diese Maßnahme der Kontakt zu den Geistern bei Priestern intensiviert. Hier wurde der Sachverhalt leider nicht weiter erläutert. Aber schaut euch selbst die illegalen Fotos an, denn man durfte nicht fotografieren (leider sind die Fotos auch nicht so gut geworden, es war schwer in dem Kunstlicht gute Ergebnisse zu erzielen). Mir hat es sehr gut gefallen – die Innenausstattung ist übrigens sehr geschmackvoll – und ich muss sagen, es ist ein Muss sich dieses Museum anzusehen.

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Peru: Wochenendausflug zum Asia Play und Cerro Sur

Am Wochenende war ich von einer Kollegin der Uni eingeladen mit ihrer Familie (Mann, Schwiegermutter und Schwägerin) in ihr Ferienhaus, ca. 100 km nördlich von Lima, mitzukommen. In Vorbereitung auf die Hinfahrt musste ich als erstes feststellen: Du weist ja noch gar nicht, wie es außerhalb der Stadt aussieht. Es wird gesagt, dass Lima die größte Wüstenstadt der Erde sei. Mit geschätzten 16 Millionen Einwohnern kann das durchaus sein, nur wenn man in der Stadt lebt, dann merkt man nicht viel davon. Mit verlassen des Stadtkerns – und damit der gut situierten Stadtteile – merkt man schnell: Ohne Wasser wächst hier nichts. Hat man die Stadtgrenze verlassen ist klar: Wüste! Die verbleibenden 80 km bis zum Ferienhaus der Familie finden sich nur Stein- und Sandgebirge. Nur selten, wenn ein Fluss aus den Bergen kommt, entsteht eine grüne Landschaft, die dann dicht besiedelt ist. Ohne Wasser, keine Zivilisation.

Asia PlayaDas Ferienhaus der Familie selber lag in einer sehr schönen Ferienanlage am „Asia Playa“. Viele großzügige Häuser mit schönen Grünanlagen. Langer Sandstrand und gleich daneben ein Pool. Denn die Wassertemperatur ist aufgrund des von der Antarktis hochziehenden Humboldtstroms mäßig. Es waren ca. 15 Grad C., viel wärmer wird es auch im Sommer nicht – trotz 30 Grad C. Durchschnittstemperatur. Es hat trotzdem Spaß gemacht und da man gegen die Wellen ziemlich ankämpfen muss, kommt es einem nicht so kalt vor. Abends sind wir dann Essen gegangen. Um die Ecke lag eine riesige Shopping-Mal mit drumherum liegenden Fitness-Center, Restaurants, Möbelhäusern, Kart-Bahn, Autohäusern und was sonst noch das Herz begehrt. Alles nur für die Feriensiedlungen, im Winter ist hier geschlossen. Ich gebe zu, nicht so mein Stil, auch wenn das Essen lecker war.

Dafür sind wir am nächsten Tag noch ein Stückchen weiter die Panamericana in Richtung Süden gefahren, damit der Mann meiner Kollegin Wellenreiten konnte. Es ging nach Sur Cerro, ein einfacher Ort, der seine Existenz einer alten Hafenanlage verdankt (die heute nicht mehr im Betrieb ist). Es war dort bei weitem nicht so schön wie in der Ferienanlage der Familie, aber ich fand es viel uriger, nicht so elitär und mir hat es gut gefallen. Danach ging es dann wieder auf der Panamericana nach Lima zurück. Ein schöner gelungener Wochenendausflug 🙂

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China: Eindrücke & Fazit

Abschließend zur Reise habe ich zu den Themen Essen, Menschen, Reisen, Sprache und Staat meine Eindrücke niedergeschrieben, bevor ich ein Fazit ziehe:

  • Essen: Beginnen wir mit dem Resümee zu diesem Beitrag: Die Küche in China ist großartig! Am Anfang kommt es einem nicht ganz so exotisch vor, weil aus den vielen China-Restaurant Besuchen die kleingeschnippselten Gerichte zum Teil bekannt sind. Vor Ort schmecken sie allerdings viel besser, da sie wesentlich feiner gewürzt und insgesamt raffinierter zubereitet sind. Darüber hinaus gibt es ein Spektrum an Gerichten zu entdecken, das die gesamte europäische Küche in ihrem Repertoire bei weitem übertrifft und einem aus keinem China-Restaurant bekannt ist. Hier wird alles gegrillt, frittiert, gebraten, gedünstet und gekocht, was die Natur hergibt. Wir haben Reissuppe, rohen Bambus, fermentierten Tofu, 100 Jahre Eier, Lammkeulen, Entenzunge, Hühnersuppe, frittierte Krabbenscheren und Fleischbonbons gegessen – um nur einige Gerichte zu benennen. Nicht alles hat uns geschmeckt, aber wir haben alles probiert und festgestellt, dass man wie Zuhause herausbekommen muss, was man mag. Im Gegensatz zu manch europäischer Küche ist das Essen darüber hinaus sehr bekömmlich, für ein Ich-bin-jetzt-vollgestopft-Gefühl muss man schon wirklich unsäglich viel gegessen haben. Schön ist auch der Preis: Für 2 Euro kann man zu zweit lecker und bekömmlich satt werden, für 10-15 Euro (auch zu zweit) hat man wirklich gut essen. Wer Angst vor exotischen Gerichten wie Hund, Katze, Affe oder Schlange hat, dem sei gesagt: Das fällt alles in die Rubrik „Spezialitäten“ und ist selten, teuer und uns nicht untergekommen. In China ernährt man sich wie bei uns von Huhn, Schwein, Rind, Lamm und natürlich viel Gemüse, Nudeln und Reis.
  • Menschen: Wir sind vielen netten Menschen begegnet. Wer irgendwie Englisch konnte hat sich sofort an uns rangepirscht und seine Kenntnisse offenbart. Immer waren sie interessiert wo man herkommt, wie es einem gefällt und was man vorhat. Dabei ist man bewundert und angelächelt worden. So zeigt sich einem das Land des Lächelns. Als Europäer hat man einen großen Bonus und wird immer höflichst behandelt. Witzig auch die Fotofragerei: Wir sind bestimmt 10 mal von wildfremden Leuten gefragt worden, ob sie ein Foto von sich und uns machen können. Komische Sitte, aber wir haben Routine im Lächeln entwickelt und um Filmsternchen zu werden, müssen wir nur noch das Geben von Autogrammen üben.
  • Reisen: Zusammengefasst kann man das Reisen in China mit drei Adjektiven beschreiben: Sicher, günstig und abwechslungsreich. Die öffentliche Sicherheit in China scheint exzellent. Männlein wir Weiblein können unbehelligt bei Tag und bei Nacht die Straße passieren, ohne Angst haben zu müssen, überfallen zu werden. Uns ist auf der Reise nichts weggekommen, kein Trickbetrüger hat uns angesprochen und seine billigen Tricks ausprobiert und nie gab es eine komische Situation, wie man es schon so oft z. B. am Mittelmeer erlebt hat. Günstig ist eigentlich fasst alles was zum Reisen benötigt wird: Für den kurzfristig gebuchten Flug haben wir je 620 Euro bezahlt, für eine Unterkunft im Hotel nach internationalen Standard legt man 25-35 Euro/Nacht für ein Doppelzimmer hin, die Bus- (10 Euro/250 km) und Schnellzugverbindungen (8 Euro/100 km) waren ebenso erschwinglich wie das Essen. Einzig der Eintritt in einen Park, einen Tempel oder Garten orientiert sich schnell an europäischen Preisen. Für „die schlanke Mark“ erhält man reisetechnische folglich sehr viel: Großartige Natur, traditionelle bis super moderne Städte und Monumentalbauten. USA, Australien und Süd-Amerika können da quantitativ und qualitativ nicht mithalten und sind deutlich teurer. Da Chinesen allerdings auch gerne ihr eigenes Land bereisen sollte man aufpassen, wann man fährt, denn sonst kann es mitunter trubelig werden. Ergo: China ist ein super günstiges und abwechslungsreiches Reiseziel.
  • Sprache: Weil chinesisch uns Mitteleuropäern wegen der Schriftzeichen, aber auch wegen der Aussprache, so fremd vorkommt, denken wir, es ist schwer zu erlernen. Dabei sind einige chinesisch gesprochene Brocken sehr hilfreich auf einer Reise, da außerhalb von Peking und Shanghai kaum Englisch gesprochen wird. Annette hat sich nicht abschrecken lassen und sie hat einfach drauf losgelernt und viele tolle Webseiten gefunden, die einem das Lernen sehr vereinfachen. Dabei mussten wir feststellen: So schwer ist Chinesisch nicht zu erlernen. Die Aussprache ist ungewohnt aber im Prinzip einfach prononciert. Jedes Wort gibt es nur in seiner Grundform, muss nicht gebeugt werden und insgesamt werden nicht so viele Laute verwendet, wie in einer europäischen Sprache (ich denke hier gerade an die vielen s, ss, ß, sch, st, … -Laute im Polnischen, die mich zur Verzweifelung gebracht haben). Einzig wirklich schwere sind die Schriftzeichen, da man sie auswendig lernen muss und sie keinen Bezug zur gesprochen Sprache haben (ist halt ikonisch, keine Lautschrift). Also, nicht abschrecken lassen, ein paar Brocken sind einfacher gelernt als z.B. Polnisch und hier sind unsere Lerntipps: Ask BennyTrain Chinese und wichtig, Zahlen lernen!
  • Staat: Der Kommunismus ist in diesem Land fast nicht präsent. Das erste mal habe ich Hammer & Sichel in Peking am Ende der Reise gesehen und dort gleich fotografiert. China wirkt viel mehr wie der Turbokapitalismus pur: Jeder ist fleißig, Dienstleistung wird groß geschrieben und überall wird gebaut. Erst in einem zweiten Blick fallen einem einige Unterschiede auf: Es gibt keine Obdachlose zu sehen, dafür viele Straßenkehrer und Security an jeder Ecke. Der Staat bezahlt kein Arbeitslosengeld, dafür scheint er für jeden einen Job vorzuhalten. Darüber hinaus ist die Anzahl der großen Staatsbetriebe nicht zu vernachlässigen. Wer hier einen Job haben möchte, muss in die Partei und sich dann an die Ein-Kind-Politik halten, sonst geht es mit der Karriere nicht weiter. Dafür hat man in der Partei durchaus Möglichkeiten, das gesellschaftliche Leben mitzugestalten, dies natürlich nur im großen Konsens. Grundsätzlich erhält man als Europäer in die wahren Umstände jedoch nur einen sehr oberflächlichen Einblick, deswegen beende ich an dieser Stelle meine Ausführungen und verzichte auf ein unqualifiziertes Resümee.

Hier nun das Fazit: China ist ein unkommunistisches, dafür kapitalisitisches Land, das Essen ist göttlich, die Menschen nett, die Reise abwechslungsreich und die Sprache nicht so schwer zu erlernen, wie es uns erscheint. Fahrt, bevor es teurer wird, es wird euch verzaubern!