Peru: Taxi fahren in Lima

Von meinem Hotel zur Universität sind es 15 km übelster Stadtverkehr, also ein ganzes Stück. Man kann mit den öffentlichen Bussen hier recht günstig fahren, das aber ist sehr zeitraubend (ca. 1 Stunde), man sitzt schlecht und wenn man Pech hat, sind die Klamotten hinterher dreckig. Der Preis ist dafür unschlagbar. Für knapp 1 € kommt man hin und für einen weiteren zurück. Jeden Tag zwei Stunden im Gestank der Autos und der Achtsamkeit, dass einem das Laptop nicht geklaut wird, muss ich nicht haben. Also fahre ich meistens mit dem Taxi. Das ist in den meisten Fällen bequemer, als mit dem Bus. Aber Taxi fahren hat auch seine Eigenheiten und darüber berichte ich hier:

Als erstes muss der Preis ausgehandelt werden, denn es gibt kein Taxameter. Mann oder Frau winkt also ein Taxi an der Straße ran, es hält, man springt an das Fenster des Fahrers und sagt, wo man hin will. Er nennt einem dann einen Preis, normalerweise ist der überzogen und das Verhandeln geht los. Ich gebe zu, von Natur aus bin ich kein Händler, aber will man sich nicht täglich über den Tisch ziehen lassen und der dumme Gringo sein, muss verhandelt werden. Drum ist der Taxifahrer ab diesem Moment Opfer aller meiner hier erlernten Psychotricks:

1. Sehr beschäftigt und zügig ans Taxi rantreten und sehr bestimmt sagen, wo man hin will. Sprachlich orientiere ich mich dabei an der spanischen Ausprache, sie ist viel härter als die der Peruaner und wirkt dadurch sehr bestimmend (die Kolonialgeschichte scheint auch an der Sprache nicht spurlos vorbeigegangen zu sein). Es ist hier wichtig, dass er mich nicht als Tourist wahrnimmt, sonst wird das alles gleich sehr teuer. Als Gringo macht er mir so oder so einen Aufschlag.

2. Fängt der Taxifahrer an zu denken schiebe ich sofort Details zur Route nach, also wo er lang fahren soll. Er soll halt nicht lange denken und ihm soll klar sein, dass ich weiß wo ich hin will.

3. Jetzt kommt der garantiert überhöhte Preis (20-25 Sol; 7-8 € ), weil die Taxifahrer sind ja auch nicht ganz dumm.

4. Jetzt Gegenpreis nennen. Es gibt so eine untere Linien, für die fahren die Jungs meistens noch, die wird genannt und ist somit würdig: 12 Sol (4 €).

5. Jetzt kommt er, er wird was von viel Verkehr erzählen, weitem Weg und ggf. ein wenig empört sagen, dass er mind. 18 Sol (6 €) benötigt.

6. Das ist noch zuviel. Man kann ihn jetzt nicht bloßstellen, man muss ihm entgegen kommen. Ich nenne dann 14 Sol. Kommt er mir dann nicht entgegen sage ich, ich würde niiiiiieeeee mehr als 15 Sol (5 €) zahlen. Harte Taxifahrer wollen sich darauf manchmal nicht einlassen.

7. Ab jetzt hilft smart sein: Lächeln, ggf. mit den Augen schielen, dann müssen die harten Jungs auch lächeln und dann sitzt du drin. Er hat trotzdem eine gute Fahrt, denn die Peruaner hätten ihm nur 13 Sol bezahlt, aber so what. Damit kann ich leben.

Stephan – also Prof. Paulini, der DAAD-Lektor für Perú – ist der Meinung, dass Taxi fahren hier viel besser ist als sich mit dem eigenen Auto zu bewegen. Man muss selber nicht fahren, preislich gibt es sich nicht viel und du hast kein Risiko wegen Totalverlust und kein Ärger mit Polizei und Reparaturen. Selbst für mich als leidenschaftlichen Bullifahrer klang das einleuchtend und sehr vernünftig, ich habe ihm unmissverständlich zugestimmt. Stephan fährt immer mit dem Taxi.

Taxi in LimaNach fast vier Wochen Taxi fahren wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein eigenes Auto! Viele Taxis sind total abgerockt. Wenn du dich reinsetzt, fällst du auf das Bodenblech durch, so ausgeleiert sind die Sitze. Mindestens die Hälfte der Taxifahrer fährt wie die letzte Sau, die Hupe bedarf eher eines Unterbrechers als eines Einschalters. Da fast alle auf eigene Rechnung fahren sitzen sie 7 Tage die Woche am Lenker. Die nervliche Belastung des Straßenverkehrs in Lima merkt man ihnen an. Sie zucken, rutschen nervös auf dem Sitz herum und schalten andauernd an irgendwelchen Schaltern herum, dessen Sinn sich nicht mal einem alten Autoschrauber wie mir erschließen will. Etliche haben auch die Angewohnheit den Straßenlärm durch ein 120 dB lautes Radioprogramm zu übertönen. Die High-Rotation von NDR1-Lima kenne ich bereits auswendig. Stephan, ich bin jetzt anderer Meinung!

Anbei habe ich euch ein Foto von einem Taxi angehängt. Also, genießt eure Ausfahrten im eigenen Auto, mit der Bahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Das ist purer Luxus, euch geht es verdammt gut 😉

Peru: Museo Metropolitano de Lima & Museo Oro del Perú

Am Ostersonntag war auch für mich arbeitsfrei, ich kann ja nicht ganz durcharbeiten. Auf meiner Agenda standen heute zwei Museumsbesuche die spannend waren: Zuerst bin ich ins stadtgeschichtliche Museum von Lima gegangen (Museo Metropolitano de Lima). Das Museum kann jedoch nicht selbständig exploriert werden, man muss mit bzw. in einer Gruppe durchgehen. So hieß es folglich sammeln und dann in der Horde rein ins Museum, wir waren ca. 20 Leute. Das Museum als Museum zu bezeichnen fällt mir schwer. Es war eine Aneinanderreihung von stadtgeschichtlichen Filmen in unterschiedlichen Räumen, die für die jeweils dargestellte Epoche hergerichtet waren, bsp.: Wenn der Einfluss der spanischen Kirche gezeigt wurde, dann wurde man in einen Raum gelassen, der wie eine Kirche von innen aussah. Dort wurde dann ein entsprechender Film gezeigt. Highlight war die Darstellung des Erdbebens in 3D und bedrohlich wackelnden Kinosessel. Der Film über die Waki (600-900 n.Chr.), die regelmäßig 12-16 jährige Mädchen aus gutem Hause geopfert haben, dürfte Slasherfilm-Fans gut gefallen. Die Enthauptung eines Mädchens sowie eine nachfolgende Kampfszene, in der der Untergang der Waki gezeigt wird, lässt keine Details aus und setzt im richtigen Moment auf Slowmotion. Ob die dabeigewesenen Kinder heute Nacht gut schlafen? Auch wenn etliche Filme erzählerisch gut gemacht waren – im übrigen alles auf Spanisch und kaum belästigende historischen Hintergründe – war ich froh, als ich nach 90 Minuten raus war. Freizügigkeit und weniger Multimedia wäre aus meiner Sicht angebracht, um das Konzept – für mich – ansprechender zu machen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es dem Großteil der Besucher hier gut gefällt. Hierzu gibt es keine Bilder, fotografieren ist dort nicht möglich.

TumiNach soviel Multimedia stand das Goldmuseum (Museo Oro del Perú) auf meiner Entdeckerliste. Der Eintritt mit 33 Sol (ca. 10 Euro) ist für hiesige Verhältnisse schon ganz ordentlich (das vorhergehende Museo Metropolitano hat gerade mal 4 Sol, ca. 1,2 Euro gekostet), kann jedoch als lohnenswerte Reiseausgabe verbucht werden. Denn in diesem Gebäudekomplex verbergen sich weltbekannte Goldschätze der Inka-Kultur. Als erstes muss man durch die Waffenkammer des Museums und die ist umfangreich und ebenfalls sehenswert. Ich habe noch nie so viele Waffen der unterschiedlichsten Gattung auf einmal gesehen und würde Lima morgen angegriffen, mit diesem Waffenarsenal hätten sie eine Grundausstattung, um sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Es geht mit dem Mittelalter los und viele Ritterrüstungen sind in Vollausstattung inkl. der gesamten, damals für einen Ritter üblichen, Waffenausstattung ausgestellt. Dann geht es weiter mit Vorderladern, Repetiergewehren, Revolvern, Pistolen und Maschinengewehren. Die Sammlung der letzten Jahre fokussiert auf Pistolen besonders bekannter Politiker und Generäle wie Pinochet (Chile), Fidel Castro (Cuba) oder John F. Kennedy (USA). Fragt sich, ob die Schenkenden der aufwendig verzierten Waffen bei der Schenkung die Selbstverteidigung oder das Werkzeug für die Selbsttötung der Beschenkten im Sinn hatten 😉

So, ich habe aber Gold versprochen! Dafür musste man im Museum in den Keller und dort fanden sich all die vielen Vorlagen für den auf der ganzen Welt populären Inkaschmuck. Ich denke, wer diese Art von Schmuck leiden mag, ist hier genau richtig. Alles echtes Gold und wirklich sehr schöne Ketten mit z.B. türkisfarbenen Steinen im Wechsel mit Goldkugeln. Sehr imposant fand ich die Masken der Sonnengötter sowie die dazugehörigen goldenen Handschuhe. Ebenfalls zu sehen gab es richtige Mumien sowie etliche Totenschädel getöteter Gegner. Auch gezeigt wurden Schädel, deren Decken aufgeschlagen und später das Loch mit einer Metallplatte verschlossen wurde. Ich habe dazu einmal im Germanistikstudium einen Text gelesen. Angeblich wurde durch diese Maßnahme der Kontakt zu den Geistern bei Priestern intensiviert. Hier wurde der Sachverhalt leider nicht weiter erläutert. Aber schaut euch selbst die illegalen Fotos an, denn man durfte nicht fotografieren (leider sind die Fotos auch nicht so gut geworden, es war schwer in dem Kunstlicht gute Ergebnisse zu erzielen). Mir hat es sehr gut gefallen – die Innenausstattung ist übrigens sehr geschmackvoll – und ich muss sagen, es ist ein Muss sich dieses Museum anzusehen.

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Peru: Wochenendausflug zum Asia Play und Cerro Sur

Am Wochenende war ich von einer Kollegin der Uni eingeladen mit ihrer Familie (Mann, Schwiegermutter und Schwägerin) in ihr Ferienhaus, ca. 100 km nördlich von Lima, mitzukommen. In Vorbereitung auf die Hinfahrt musste ich als erstes feststellen: Du weist ja noch gar nicht, wie es außerhalb der Stadt aussieht. Es wird gesagt, dass Lima die größte Wüstenstadt der Erde sei. Mit geschätzten 16 Millionen Einwohnern kann das durchaus sein, nur wenn man in der Stadt lebt, dann merkt man nicht viel davon. Mit verlassen des Stadtkerns – und damit der gut situierten Stadtteile – merkt man schnell: Ohne Wasser wächst hier nichts. Hat man die Stadtgrenze verlassen ist klar: Wüste! Die verbleibenden 80 km bis zum Ferienhaus der Familie finden sich nur Stein- und Sandgebirge. Nur selten, wenn ein Fluss aus den Bergen kommt, entsteht eine grüne Landschaft, die dann dicht besiedelt ist. Ohne Wasser, keine Zivilisation.

Asia PlayaDas Ferienhaus der Familie selber lag in einer sehr schönen Ferienanlage am „Asia Playa“. Viele großzügige Häuser mit schönen Grünanlagen. Langer Sandstrand und gleich daneben ein Pool. Denn die Wassertemperatur ist aufgrund des von der Antarktis hochziehenden Humboldtstroms mäßig. Es waren ca. 15 Grad C., viel wärmer wird es auch im Sommer nicht – trotz 30 Grad C. Durchschnittstemperatur. Es hat trotzdem Spaß gemacht und da man gegen die Wellen ziemlich ankämpfen muss, kommt es einem nicht so kalt vor. Abends sind wir dann Essen gegangen. Um die Ecke lag eine riesige Shopping-Mal mit drumherum liegenden Fitness-Center, Restaurants, Möbelhäusern, Kart-Bahn, Autohäusern und was sonst noch das Herz begehrt. Alles nur für die Feriensiedlungen, im Winter ist hier geschlossen. Ich gebe zu, nicht so mein Stil, auch wenn das Essen lecker war.

Dafür sind wir am nächsten Tag noch ein Stückchen weiter die Panamericana in Richtung Süden gefahren, damit der Mann meiner Kollegin Wellenreiten konnte. Es ging nach Sur Cerro, ein einfacher Ort, der seine Existenz einer alten Hafenanlage verdankt (die heute nicht mehr im Betrieb ist). Es war dort bei weitem nicht so schön wie in der Ferienanlage der Familie, aber ich fand es viel uriger, nicht so elitär und mir hat es gut gefallen. Danach ging es dann wieder auf der Panamericana nach Lima zurück. Ein schöner gelungener Wochenendausflug 🙂

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China: Eindrücke & Fazit

Abschließend zur Reise habe ich zu den Themen Essen, Menschen, Reisen, Sprache und Staat meine Eindrücke niedergeschrieben, bevor ich ein Fazit ziehe:

  • Essen: Beginnen wir mit dem Resümee zu diesem Beitrag: Die Küche in China ist großartig! Am Anfang kommt es einem nicht ganz so exotisch vor, weil aus den vielen China-Restaurant Besuchen die kleingeschnippselten Gerichte zum Teil bekannt sind. Vor Ort schmecken sie allerdings viel besser, da sie wesentlich feiner gewürzt und insgesamt raffinierter zubereitet sind. Darüber hinaus gibt es ein Spektrum an Gerichten zu entdecken, das die gesamte europäische Küche in ihrem Repertoire bei weitem übertrifft und einem aus keinem China-Restaurant bekannt ist. Hier wird alles gegrillt, frittiert, gebraten, gedünstet und gekocht, was die Natur hergibt. Wir haben Reissuppe, rohen Bambus, fermentierten Tofu, 100 Jahre Eier, Lammkeulen, Entenzunge, Hühnersuppe, frittierte Krabbenscheren und Fleischbonbons gegessen – um nur einige Gerichte zu benennen. Nicht alles hat uns geschmeckt, aber wir haben alles probiert und festgestellt, dass man wie Zuhause herausbekommen muss, was man mag. Im Gegensatz zu manch europäischer Küche ist das Essen darüber hinaus sehr bekömmlich, für ein Ich-bin-jetzt-vollgestopft-Gefühl muss man schon wirklich unsäglich viel gegessen haben. Schön ist auch der Preis: Für 2 Euro kann man zu zweit lecker und bekömmlich satt werden, für 10-15 Euro (auch zu zweit) hat man wirklich gut essen. Wer Angst vor exotischen Gerichten wie Hund, Katze, Affe oder Schlange hat, dem sei gesagt: Das fällt alles in die Rubrik „Spezialitäten“ und ist selten, teuer und uns nicht untergekommen. In China ernährt man sich wie bei uns von Huhn, Schwein, Rind, Lamm und natürlich viel Gemüse, Nudeln und Reis.
  • Menschen: Wir sind vielen netten Menschen begegnet. Wer irgendwie Englisch konnte hat sich sofort an uns rangepirscht und seine Kenntnisse offenbart. Immer waren sie interessiert wo man herkommt, wie es einem gefällt und was man vorhat. Dabei ist man bewundert und angelächelt worden. So zeigt sich einem das Land des Lächelns. Als Europäer hat man einen großen Bonus und wird immer höflichst behandelt. Witzig auch die Fotofragerei: Wir sind bestimmt 10 mal von wildfremden Leuten gefragt worden, ob sie ein Foto von sich und uns machen können. Komische Sitte, aber wir haben Routine im Lächeln entwickelt und um Filmsternchen zu werden, müssen wir nur noch das Geben von Autogrammen üben.
  • Reisen: Zusammengefasst kann man das Reisen in China mit drei Adjektiven beschreiben: Sicher, günstig und abwechslungsreich. Die öffentliche Sicherheit in China scheint exzellent. Männlein wir Weiblein können unbehelligt bei Tag und bei Nacht die Straße passieren, ohne Angst haben zu müssen, überfallen zu werden. Uns ist auf der Reise nichts weggekommen, kein Trickbetrüger hat uns angesprochen und seine billigen Tricks ausprobiert und nie gab es eine komische Situation, wie man es schon so oft z. B. am Mittelmeer erlebt hat. Günstig ist eigentlich fasst alles was zum Reisen benötigt wird: Für den kurzfristig gebuchten Flug haben wir je 620 Euro bezahlt, für eine Unterkunft im Hotel nach internationalen Standard legt man 25-35 Euro/Nacht für ein Doppelzimmer hin, die Bus- (10 Euro/250 km) und Schnellzugverbindungen (8 Euro/100 km) waren ebenso erschwinglich wie das Essen. Einzig der Eintritt in einen Park, einen Tempel oder Garten orientiert sich schnell an europäischen Preisen. Für „die schlanke Mark“ erhält man reisetechnische folglich sehr viel: Großartige Natur, traditionelle bis super moderne Städte und Monumentalbauten. USA, Australien und Süd-Amerika können da quantitativ und qualitativ nicht mithalten und sind deutlich teurer. Da Chinesen allerdings auch gerne ihr eigenes Land bereisen sollte man aufpassen, wann man fährt, denn sonst kann es mitunter trubelig werden. Ergo: China ist ein super günstiges und abwechslungsreiches Reiseziel.
  • Sprache: Weil chinesisch uns Mitteleuropäern wegen der Schriftzeichen, aber auch wegen der Aussprache, so fremd vorkommt, denken wir, es ist schwer zu erlernen. Dabei sind einige chinesisch gesprochene Brocken sehr hilfreich auf einer Reise, da außerhalb von Peking und Shanghai kaum Englisch gesprochen wird. Annette hat sich nicht abschrecken lassen und sie hat einfach drauf losgelernt und viele tolle Webseiten gefunden, die einem das Lernen sehr vereinfachen. Dabei mussten wir feststellen: So schwer ist Chinesisch nicht zu erlernen. Die Aussprache ist ungewohnt aber im Prinzip einfach prononciert. Jedes Wort gibt es nur in seiner Grundform, muss nicht gebeugt werden und insgesamt werden nicht so viele Laute verwendet, wie in einer europäischen Sprache (ich denke hier gerade an die vielen s, ss, ß, sch, st, … -Laute im Polnischen, die mich zur Verzweifelung gebracht haben). Einzig wirklich schwere sind die Schriftzeichen, da man sie auswendig lernen muss und sie keinen Bezug zur gesprochen Sprache haben (ist halt ikonisch, keine Lautschrift). Also, nicht abschrecken lassen, ein paar Brocken sind einfacher gelernt als z.B. Polnisch und hier sind unsere Lerntipps: Ask BennyTrain Chinese und wichtig, Zahlen lernen!
  • Staat: Der Kommunismus ist in diesem Land fast nicht präsent. Das erste mal habe ich Hammer & Sichel in Peking am Ende der Reise gesehen und dort gleich fotografiert. China wirkt viel mehr wie der Turbokapitalismus pur: Jeder ist fleißig, Dienstleistung wird groß geschrieben und überall wird gebaut. Erst in einem zweiten Blick fallen einem einige Unterschiede auf: Es gibt keine Obdachlose zu sehen, dafür viele Straßenkehrer und Security an jeder Ecke. Der Staat bezahlt kein Arbeitslosengeld, dafür scheint er für jeden einen Job vorzuhalten. Darüber hinaus ist die Anzahl der großen Staatsbetriebe nicht zu vernachlässigen. Wer hier einen Job haben möchte, muss in die Partei und sich dann an die Ein-Kind-Politik halten, sonst geht es mit der Karriere nicht weiter. Dafür hat man in der Partei durchaus Möglichkeiten, das gesellschaftliche Leben mitzugestalten, dies natürlich nur im großen Konsens. Grundsätzlich erhält man als Europäer in die wahren Umstände jedoch nur einen sehr oberflächlichen Einblick, deswegen beende ich an dieser Stelle meine Ausführungen und verzichte auf ein unqualifiziertes Resümee.

Hier nun das Fazit: China ist ein unkommunistisches, dafür kapitalisitisches Land, das Essen ist göttlich, die Menschen nett, die Reise abwechslungsreich und die Sprache nicht so schwer zu erlernen, wie es uns erscheint. Fahrt, bevor es teurer wird, es wird euch verzaubern!

China: Einblicke

Dipu (5 Tage) ist die Stadt des Kreises Anji (安吉县; Ānjí Xiàn), damit Teil der Region Zehjiang und fasst ca. 500.000 Einwohner. Um die Privatsphäre des Brautpaares sowie der Familie nicht zu verletzen, verzichte ich hier auf die Darstellung der schönen Hochzeit. Nur eins sei hier erwähnt: Die Gastfreundschaft war überwältigend – wenn auch eine Kommunikation ohne Übersetzer schön gewesen wäre – aber dafür müssen wir erstmal Chinesisch lernen 😉 Die Stadt selber ist ordentlich und große Teile sehr modern, da in den letzten Jahren viel neugebaut wurde. Dipu ist allerdings eher eine nüchterne Provinzmetropole. Sehr gut hat uns jedoch der Bambus Park gefallen, der die vielen verschiedenen Bambusarten eindrucksvoll und schön anschaubar macht. Auch gibt es dort Pandabären zu sehen.

Huang Shan (6 Tage) bezeichnet ein international berühmtes Gebirge in der Provinz Anhui, welches für seine abstrakten Felsformationen bekannt ist. Huang Shan (黄山; Huáng Shān) ist sowohl UNESCO Weltnatur- als auch Kulturerbe und diente oft als Filmkulisse, z. B. in „Karate Kid“ oder aktueller dem 3D-Film „Avatar“. Touristisch ist es hier voll erschlossen und es scheint fast, als ob jeder Chinese einmal in seinem Leben auf dem Mt. Huang Shan gewesen sein muss. Wir hatten Glück, da absolute Nachsaison war und vielleicht 1/50 der Tagesbesucherzahlen zugegen waren. Wir sind auf den schönen Wegen gewandert und viele viele Stufen auf- und abgestiegen. Denn die Wanderwege sind gut ausgebaut und da die Berge so steil sind, geht es fast immer Stufen hoch oder runter. Das Highlight ist die Fahrt auf den Mt. Huang Shan und leider auch nicht ganz billig. Eintritt und Seilbahn schlagen mit knapp 40 €/Person zu Buche. Wir waren am 1.12. auf dem Mt. Huang Shan und hatten leider der Jahreszeit angepasstes Wetter: Eiskalter Regen, vereiste Bäume, starker Wind und Nebel. Es war trotzdem sehr schön, da dies eine eigenartige Stimmung ausmachte. Den Abstieg haben wir dann ohne Seilbahn bewerkstelligt, was ca. 2 Stunden Teppen absteigen bedeutet und zu empfehlen ist. Fazit: Ein muss  für Jeden, der in die Ecke kommt und nicht zur Hauptsaison fährt. 3 Tage Wandern sind angebracht, um sich all die Berge, Felsen, Wälder und Tempel anzusehen. Unsere Unterkunft in der „Pine Ridge Lodge“ direkt am Südtor der „Huang Shan Scenic Area“ können wir ebenfalls sehr empfehlen, da es nicht so eine Hotelburg ist.

Hangzhou (3 Tage) war einmal die Stadt des Kaisers und liegt an einem schönen See, der mit geschmackvollen Uferpromenaden, Gärten und Tempeln bestückt ist. Hier zeigt sich die klassische Landschaftsarchitektur, wie wir sie von China erwarten: Ausgeglichen, vielfältig und reichlich mit Pagoden garniert. Wir haben direkt in der Altstadt von Hangzhou (杭州; Hángzhōu) gewohnt (Green Three Inn in der 211-215 Middle Zhongshan Road), nicht unweit vom See. Zuerst haben wir uns diese zu genüge geführt und in all den schönen kleinen Geschäften gestöbert. Besonders interessant fand ich eine alte Apotheke, in der getrocknete Haifischflossen, Pilze und Echsen angeboten wurden. Auch haben wir in einer sehr engen Gasse gegessen, wo viele lokale Spezialitäten angeboten wurden. Es war günstig und einfach. An den kleinen Tischen standen riesige Mülleimer und sobald man eines der kleinen Gerichte verputzt hatte, flog die Verpackung dort rein. Die Promenade am See hat uns ebenfalls mit den schönen Gartenanlagen sehr gefallen. Sie lädt zum verweilen ein und man kann den vielen Künstlern zwischendurch bei ihren Aufführungen zuschauen. Wir haben das Ostufer entspannt einen Tag auf uns wirken lassen. Ebenfalls gut hat uns der Lingyin Tempel gefallen. Er liegt im Osten der Stadt und zieht sich langsam die Berge dort hoch. Zwar ist er touristisch voll erschlossen, aber die meisten Besucher gehen nur zum Haupttempel. Wir haben uns dann die den Berghang hochgebauten vier weiteren Tempel angeschaut. In jedem der Tempel war eine andere Darstellung von Buddha zu sehen: Der dicke lachende Buddha, der schlanke Stehende und der Meditierende. Dann sind wir weiter den Berg rauf und haben uns die kleineren Tempel angeschaut. Die waren eigentlich schöner, da sie von innen liebevoller verziert waren und frische Blumen den Anschein weckten, als wenn hier regelmäßig gebetet wird. Vom obersten der kleinen Tempel hat man dann einen sehr schönen Blick auf Hangzhou, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Alles in allem hat uns Hangzhou sehr gut gefallen und es wird nicht umsonst als eine Blüte der chinesischen Städte bezeichnet. Ergo: Ein Muss wenn man in der Ecke unterwegs ist.

Shanghai (3 Tage) ist eine Stadt der Superlative. Schon die Anreise mit dem Schnellzug war spektakulär. Von Hangzhou nach Shanghai (上海;  Shànghǎi) sind es 160 km und dafür braucht der Zug mit einem Zwischenstopp 45 Minuten. Die Landschaft zwischen den beiden Städten ist durchgängig besiedelt, einsam wird einem hier nicht. Der Bahnhof fasst ca. 20 Gleise, auf dem nur die schnellsten Fernzüge zu sehen sind (Shikansen und ICE3). Die Empfangshalle, die den Busbahnhof, die Metro, den Flughafen und die Züge miteinander verbindet, ist mindestens 2 Kilometer lang, nagelneu und blitzeblank sauber. Mit der Metro ist man bis zum Zentrum eine Stunde unterwegs. Zuerst haben wir uns die Nanjing Road angeschaut. Das ist „die“ Einkaufsmeile in China und entsprechend gut – aber auch teuer – kann man hier einkaufen gehen. Wir fanden es nicht so spektakulär, nun sind wir aber beide auch keine großen „Shopper“. Die um die Nanjing Road liegenden modernen Hochhäuser lassen jedoch schon erwarten, dass hier nicht gekleckert wird. Danach sind wir mit der Metro auf die andere Seite des Huangpu River nach Pudong gefahren und haben uns die Skyline von Shanghai angeschaut. Von der Größe und Vielfalt übertrifft es meine Erlebnisse von New York und Singapore. Es ist einfach alles eine Nummer größer, geschmackvoller und moderner. Vom Jinmao Tower hat man dann einen schönen Überblick über die Stadt und natürlich die anderen Skyskraper. Danach sind wir ins „Shanghai Urban History Museum“, in dem wir zwei Stunden lang die Stadtgeschichte erkundeten. Das hat uns einen sehr schönen Einblick gegeben und uns gezeigt, dass Shanghai fast von jeder Generation neu erfunden wird. Der Trend dabei unübersehbar: Moderner und größer! Auch haben wir uns das „Shanghai Urban Planing Exibition Center“ angeschaut. Die ersten beiden Etagen decken sich zwar mit dem „S. Urban History Museum“, danach bekommt man aber noch einen guten Einblick in die Stadtplanung und -gestaltung. Es ist nicht so ein historischer sondern ein planerischer Zugang zur Stadtgeschichte. Ebenfalls sehr empfehlenswert. Nicht so spektakulär fanden wir den People´s Square, vielleicht war es aber auch einfach zu voll dort. Alles in allem ist Shanghai eine Superlative der Moderne. Unser Urteil: Sehr sehenswert!

Peking (4 Tage) lässt sich von Shanghai gut mit dem Schnellzug erreichen. Für 1200 km benötigt dieser 5 Stunden. Zu sehen gibt es zwischendurch nichts Großartiges: Die Ausläufer der beiden großen Städte, Wüste und Landwirtschaft. Man kann beruhigt seinen Reiseführer lesen und sich auf Peking (北京; Běijīng) vorbereiten. Die Ankunft ist ähnlich wie in Shanghai, wenn auch nicht so gut organisiert – es ist enger und es wird gedrängelt. Mit der Metro sind wir in die Stadt und haben uns dort ein Taxi zu unserem Lu Song Yuan Hotel (No. 22 Banchang, Kuanjie, Bejing 100009) genommen. Dieses lag direkt in einem der traditionellen Viertel im Zentrum, welche durch niedrige Gebäude (1-2 Stockwerke) und kleine Gassen geprägt sind. Diese werden als Hutongs bezeichnet und hier fühlte ich mich dann so, wie ich mir China vorgestellt hatte. Es war alles klein, verwinkelt, verschiedene Geschäfte boten alles mögliche zum Verkauf an und das Essen war gut und günstig. Unser Hotel war Teil eines Hutongs und verfügte durch seine Größe über einen eigenen Wohnhof. Dieser Wohnhof wird als Siheyuan bezeichnet und war sehr idyllisch – schauten wir doch direkt aus unserem Fenster dort drauf. Leider habe ich mir eine heftige Erkältung eingefangen, so dass ich Nase triefend und hustend drei Tage im Bett bleiben musste. So blieb uns nur ein gemeinsamer Tag für das Sight-Seeing, an dem wir als erstes die Verbotene Stadt aufsuchten. Wir sind vom Südeingang rein und die vielen, hintereinander gereihten Audienzgebäude mit ihren großen Vorhöfen waren sehr beeindruckend. Erst am Ende verstanden wir, warum man von einer Stadt spricht. Denn der nördliche Teil birgt viele kleine Gebäude, in denen das Personal, die Konkubinen und die Verwaltungsbeamten gewohnt haben. Diese Gebäude wiederum waren in kleinen Einheiten gefasst, die von hohen Mauern voneinander abgetrennt waren. Wer wo zu- und abgehen durfte, war streng geregelt. Nach 2,5 Stunden und Minusgraden hatten wir Appetit auf Essen und Wärme. Danach ging es raus zum Olympia Park, um uns das Olympiastadion, das so genannte „Bird Nest“ anzusehen. Ebenso beeindruckend fanden wir auch die blauschimmernde gegenüberliegende Schwimmhalle deren Außenwand wie vergrößerte Wassertropfen aussahen und eindrucksvoll von innen beleuchtet waren. Im dunkeln sind die beiden Gebäude wirklich sehr hübsch anzusehen. Alles in allem hat uns Peking sehr gut gefallen und es ist für mich die chinesischste aller besuchten Städte gewesen. Hier hätte ich wirklich gerne noch mehr Zeit verbraucht! Fazit: Ebenfalls sehr empfehlenswert.

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China: Dipu, Huang Shan, Hangzhou, Shanghai und Peking in 22 Tagen

China, das Reich der Mitte und Land des Lächelns stand schon lange auf meiner Wunschliste der zu bereisenden Länder. Wie ist es wohl das Lande der kulturellen Superlative? Wie fühlt es sich an in einer Nation von 1,3 Milliarden Menschen unterwegs zu sein und wie präsent ist der Kommunismus in einem der prosperierensten Staaten der Welt?

Diese und viel mehr Fragen bewegten mich schon eine ganze Weile und da kam die Gelegenheit ganz recht, zu einer Hochzeit nach Dipu zu fahren. Ein sehr guter Freund von mir heiratete eine Chinesin und wir (Annette und ich) wollten natürlich den Beiden vor Ort Beistand leisten. Also buchten wir einen Flug, reichten Urlaub ein und flogen mit der ganzen Familie des Bräutigam sowie Arbeitskollegen der Braut mit nach Dipu. Die erste Woche verbrachten wir mit dieser netten Gruppe und feierten ausgiebig die Hochzeit. Danach setzten wir uns ab und reisten alleine weiter. Über Huang Shan, Hangzhou, Shanghai und Peking ging der Trip mit Taxen, Bussen und Hochgeschwindigkeitszügen:

Die nachfolgenden beiden Beiträge geben meine Einblicke & Eindrücke dieser Reise wieder. Dort findet ihr jeweils einen kurzen Einblick in die von uns besuchten Städte bzw. der Regionen und dem, was wir dort unternommen haben und wie es uns gefallen hat. Abschließend habe ich meine Eindrücke in die Themen Essen, Menschen, Reisen, Sprache und Staat zusammengefasst und niedergeschrieben, bevor ich ein Fazit ziehe.

Estland: Tallin

TallinMein Kumpel und ich hatten beschlossen ein paar Tage die Republik zu verlassen und ein wenig Frischluft zu schnuppern. Eigentlich wollten wir nach Prag, aber die Anreise war umständlich und da kam uns der günstige Flug von RyanAir von Bremen nach Tallin sehr gelegen. Also haben wir einen Flug sowie die Unterkunft für 5 Tage in einem Hostel gebucht und Urlaub eingereicht.

Die Anreise war unbeschwerlich und Tallin hat als Hauptstadt von Estland einen kleinen modernen Flughafen, von dem man mit dem Bus schnell in die Innenstadt kommt. Unser Hostel war am Rande des Stadtkerns gelegen, schnell bezogen und wenn man davon absieht, dass man sich die Dusche mit allen anderen teilen musste, dann war das Zimmer gut, da schön und ruhig (Hostel Knight House, Rüütli 18).

Dann sind wir los in die vielen kleinen verwinkelten Gassen und haben uns die schöne alte und sehr gut restaurierte Stadt erschlossen. Denn Tallin ist stark von der deutschen Hanse geprägt und entsprechend besteht eine große Ähnlichkeit mit Städten wie Lüneburg oder Lübeck. Leider muss die Schönheit mit vielen vielen anderen Touristen geteilt werden: Mit deutschen, amerikanischen, japanischen und chinesischen Reisegruppen ebenso wie mit Individualtouristen. Um es kurz zu machen: Die Altstadt ist überlaufen und gleicht damit einem Freilichtmuseum. Die Preise orientieren sich am westlichen Standard.

Das hat uns dazu bewogen unsere Reiseaktivitäten außerhalb des Stadtkerns zu verlagern und siehe da: Es gab doch einiges zu entdecken. Neben modernen Gebäuden stehen alte sozialistische Betonklötzen ebenso wie um die 1900er Jahre gebaute Steinhäuser. Ein uriges Nebeneinander verschiedener Baustiele, das mir gut gefallen hat. Der Hafen war leider nicht so sehenswert wie erhofft, aber dafür haben wir das sehr schönes Restaurant „Kompott“ entdeckt, welches typische estländische Küche zum kleinen Preis und das auch noch super lecker anbot (Restaurant Kompott, Narva mnt 36). Es war in einem alten Herrenhaus untergebracht und sehr geschmackvoll eingerichtet.

Einen Tag sind wir noch ins Umland gefahren und wollten eigentlich einen Blick vom Fernsehturm in die Landschaft werfen. Zwei Stunden anstehen haben uns dann aber davon abgehalten und so sind wir einen schönen Wanderweg von dort zum Strand an der Ostsee gelaufen – immer an einem kleinen idyllischen Fluss entlang. Am Strand selber war es bedingt durch die Sommerferien jedoch sehr voll. Zweimal haben wir Abends noch in der urigen Kneipe „Valli Baar“ mit Esten ein paar Bierchen getrunken, so kamen wir mit der örtlichen Bevölkerung in Kontakt (Valli Baar, Müürihave 14). Es war ein wenig wie bei „Hans Albers auf der Reeperbahn“, denn es kamen immer zwei Musiker mit Akkordeon und gaben Seemannslieder zum Besten.

Mein Fazit: Tallin ist für zwei, nicht für fünf Tage gut und man sollte die Hauptsaison meiden. Das nächste mal würde ich gleich ein Auto mieten und in Estland einen Rundtripp machen.

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Paraguay: Asunción

TallinBestimmen wir erst mal den Ausgangspunkt: Asunción ist keine dieser europäischen Hauptstädte, die sich mit Prachtbauten gegenseitig überbieten. Sicher, hier gibt es einen schönen Präsidentenpalast, ein historisches und ein modernes Senatsgebäude, eine Kathedrale, ein Pateón für die Helden des Landes, ein Museum zur Bauarchitektur und einen alten Bahnhof mit der ersten Lokomotive von Paraguay, um die zentralen Hauptattraktionen auf meinen Fotos zu benennen. Aber dafür braucht man nicht aus Europa herfliegen, um sich das anzuschauen.

Denn Asunción reiht sich erst mal in die typische südamerikanische Städtelandschaft ein: Besonders die älteren Stadtteile sind streng quadratisch angeordnet. Äußerst moderne Wolkenkratzer stehen neben wenig gepflegten kolonialen zweistöckigen Häusern. Das kann man sehr gut von Mbiguá aus sehen, einer Clubanlage auf der gegenüber vom Hafen liegenden Landzunge. Die Überfahrt ist kostenlos, man hat eine schöne Aussicht und kann sich ein wenig vom Stadttrubel erholen.

Wie der gemischte Zustand der Gebäude schon vermuten lässt, teilen sich in Asunción Arm wie Reich den öffentlichen Raum. Jeder Block (cuadro) fasst ein Gemisch aus den verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, trotz dessen der bessergestellte Paraguayo ein Teil seines Lebens lieber in einem privaten Club oder in einen der klimatisierten Shopping-Center weiter am Stadtrand verbringt.

Es sind also nicht die durchaus gut herausgeputzten Sehenswürdigkeiten, die gerade das Centrum von Asunción sehenswert machen, sondern das bunte Miteinander in dieser Stadt. Arm und Reich wohnen hier so dicht beieinander, dass dies auch vor dem Präsidentenpalast oder dem Senat nicht halt macht. Denn direkt daneben (keine 30 m entfernt) und unübersehbar beginnen die Bretterbuden und damit das einfache Leben der Schuhputzer, Träger und Bananenverkäufer. An ihre soziale Verantwortung werden der Präsident ebenso wie die Senatoren jeden Tag aufs Neue erinnert. Die katholische Universität, an der ich tätig war, ist ähnlich gelegen. Wegschauen ist da kaum möglich.

Die wirklichen Umstände für dieses dichte Miteinander sind mir nicht bekannt. Zu unterschiedlich waren die Antworten, die ich beim Nachfragen erhalten habe. Einige Sachverhalte kann man einfach nicht erklären, die entwickeln sich aus dem Alltag, ohne dass ein menschlicher Plan dahinter steht. Das es so ist, finde ich jedoch sympathisch wie auch spannend an Asunción. Genau das ist es, was die Stadt für mich sehenswert macht.

Am besten kann man es beobachten, wenn man sich in Ruhe auf eine Parkbank setzt und die Leute an sich vorbeiziehen lässt. Jeder erzählt durch seinen Gang, seine Kleidung oder auch seine Hautfarbe seine eigene Geschichte. Was den Paraguayo dabei so angenehm macht, dass sie sich trotzdem respektvoll behandeln. Der Reiche, der Durchschnittsbürger und der Arme gehen ganz normal miteinander um. Berührungsschwierigkeiten scheint es selten zu geben. Man drängt sich nicht auf sondern jeder geht seines Weges. Selbst mich als Europäer lässt man in Ruhe, wenn man von den Geldwechslern mal absieht.

Da ich gerne auf Märkte gehe, war der Pettriossi-Markt für mich ein Muss. Ich hatte ihn auf meiner Liste ganz oben stehen, da komme ich doch bei der Suche nach Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe meiner Unterkunft per Zufall dort vorbei. Die Gelegenheit habe ich natürlich genutzt hier meine Besorgungen zu machen. Trotz des großen Gewühls auf dem Basar geht es freundlich zu. Die Händler sprechen einen manchmal an, aufdringlich ist dabei aber keiner.

Kleidung, Schuhe, Gewürze, Obst, Gemüse, Käse, Eier, Wurst, Elektronik, Möbel und viele Sachen mehr kann man hier kaufen. Nur Milchprodukte scheint es nicht zu geben, die sind wahrscheinlich zu teuer, da Milch oder Joghurt fast so viel kostet wie in Deutschland. Super günstig und lecker sind die kleinen Stände, an denen Fleisch gegrillt wird. Die Stände sind sehr einfach und zwischen Bürgersteig und Straße aufgebaut. Die Autos fahren direkt an einem vorbei. Erst kommt das frische Fleisch in einen Topf und wird langsam gekocht, danach geht es auf den Holzkohlegrill. Alleine der Geruch der Holzkohle lässt einen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Der Preis für reichlich Fleisch mit Maniok und einer Cola liegt bei ungefähr 2 Euro. Dafür ist man dann lecker gesättigt.

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Paraguay: Busfahren in Asunción

Ein besonderes Erlebnis und eine sportliche sowie intellektuelle Herausforderung ist das Busfahren in Asunción. Die intellektuelle Herausforderung besteht darin, dass man herausbekommen muss, wie die Linien fahren. Am Anfang habe ich einfach immer gefragt und dann hatte ich die wichtigsten Busse für meine Fahrten zur Uni oder zum Shopping-Center auf dem Schirm. Will man aber mal woanders hin, muss man in den Plan schauen. Der geht so: Zielstadtteil schauen, welche Linien dort fahren, eigenen Stadtteil schauen, welche Linien dort fahren. Dann muss man durch gleichzeitiges hin und her blättern zwischen den Seiten die Schnittmenge bilden und so herausbekommen, welche Linie beide Stadtteile passiert. Das ist dann die Linie, die man nehmen muss.

Wenn man umsteigen muss wird es schwieriger, denn dann muss man die Schnittmenge in einem dritten, aber ja noch nicht bekannten Ort bilden. Das macht man aber nicht, da man bei jedem mal Umsteigen neu bezahlen muss. Da die Busse kreuz und quer durch die Stadt fahren, kommt man aber auch ohne umsteigen irgendwann dort an, wo man will. Dauert zwar länger, dafür spart man sich aber die komplexe Bildung der Schnittmenge sowie 40 Euro-Cent. Letzteres ist ja ein gewichtiges Argument für den Europäer wie auch für den Paraguayo.

Hat man jetzt die passende Buslinie parat, muss man sich an die jeweilige Straße stellen, die der Bus passiert. Jetzt heißt es für kurzsichtige Brille aufsetzen, denn die Busse kommen geradezu angeschossen und man hat nur ganz wenig Zeit, die Busnummer zu lesen. Glaubt man die passende Nummer auf dem Bus gelesen zu haben, ganz schnell den Daumen raus, damit er auch anhält. Das klingt jetzt einfach, ist es jedoch nicht. Es gibt da mehrere Hürden: Erstens, als Anfänger steht man so, dass man die Nummer nicht oder nicht rechtzeitig lesen kann. Meistens ist ein Baum im Weg, ein LKW verdeckt die Sicht oder was auch immer. Zweitens reicht es nicht sich auf die gelesene Busnummer zu beschränken. Die Linie 12 gibt es in vielen Variationen und die stehen dann kleingedruckt noch irgendwo in der Windschutzscheibe. Findet man das nicht, dann hilft nur Fragen: Ist das die 12-1 oder 12-1-1 oder 12-2 oder …? Fährt dieser Bus nach XYZ? Die Busfahrer sind dann sehr verständnisvoll und nennen einem die gewünschte Information sowie auch alternative Linien. Da der Bus aber weiterfahren muss, fährt man schon ein Stückchen mit und muss wieder aussteigen.

Ist der Bus nun richtig gewesen, sollte man das Geld schon in der Hand halten. Die Fliehkräfte im Bus – und das ist der erste Teil der sportlichen Herausforderung – erlauben kein langes sondieren von Kleingeld in der Hosentasche, geschweige denn mit zwei Händen Scheine aus dem Portmonee zu holen. Festhalten und Gleichgewicht nicht verlieren, ist von nun bis zum Aussteigen angesagt.

Sollte man auf die Idee kommen, sich selbst zu bemitleiden, empfiehlt es sich hinter dem Busfahrer Platz zu nehmen. Der muss nämlich einen Mercedes Rundhauber (in Deutschland bis 1977 gebaut) ohne Servolenkung bei einem Mörderverkehr unfallfrei und zügig manövrieren, auf die überwiegend im Schatten wartenden Mitfahrwilligen am Straßenrand achten, das Geld für das Ticket kassieren und Wechselgeld rausgeben. Das alles natürlich ohne Klimaanlage und zum Teil nur auf einem geflochtenen Stuhl. Nach dieser Beobachtung genießt man den wohl geformten Polyesterstuhl, den man zumindest außerhalb der Hauptverkehrszeit meistens ergattern kann. Während der Fahrt schaut man sich aus dem offenen Fenstern die Stadt aus der Formel 1-Perspektive an.

Aus- wie Einsteigen ist auch so eine Sache für sich und damit der zweite Teil der sportlichen Herausforderung: Erst mal muss man feststellen, dass der Bus für einen Mann nicht einfach hält. Er rollt an einem vorbei und man muss auf- oder abspringen. Das ist praktikabel, aber mit Flipflops sollte man ein wenig vorsichtig sein. Ältere Leute sowie die weibliche Bevölkerung genießen da aber Privilegien, für die wird gehalten.

Da es keine festen Haltestellen gibt, kann man überall aussteigen und das geht so: Entweder hängt durch den Bus hindurch eine Leine, an der man ziehen muss, oder es befindet sich ein Knopf über der Ausgangstür. Sobald man die Signalisierung betätigt hat – vorher gut festhalten! – wird vom Busfahrer der Anker geworfen. So fühlt es sich zumindest an, eine Vollbremsung ist nichts dagegen. Wenn die hintere Tür wegen der Hitze nicht sowieso schon offen ist, dann öffnet sie sich während der Ankerung langsam quietschend, als wenn Graf Dracula aus seinem Sarg kommt. Manchmal muss man der Tür vorm Abspringen noch nachhelfen, aber das bekommt man mit einer Hand schon hin (die andere Hand muss ja unbedingt verhindern, dass man nicht den Halt verliert).

So, jetzt beende ich meine sarkastischen Ausführungen mit schlechtem Gewissen, denn mich haben die Busse immer und überall gut hingebracht. Es ist günstig und sie sind zahlreich. Meistens geht es schnell bis ein passender Bus da ist. Bus- und U-Bahnfahren wird in Deutschland langweilig werden. Ich werde euch vermissen:

Ihr Busse von Asunción!

Paraguay: Mit dem 2CV durch den Chaco

Ziel meiner Fahrt nach „Coronel Oviedo“ war das Zuhause von Walter Schäffer, der geführte Touren mit der 2CV-Ente oder dem Land Rover zu allen Nachbarländern und natürlich auch innerhalb von Paraguay anbietet. Seine Web-Site zeigt sehr gut, was für Reisen man mit ihm machen kann. Da seine Fahrzeuge sehr alt sind, haben sie weder Klimaanlage noch schicke Sitze. Es geht spartanisch und urwüchsig zu. Wem das nichts ausmacht, den erwartet eine tolle Reise mit einem sehr netten und ebenso kundigen Reiseleiter.

Der Plan mit Walter war es den „Chaco“ zu ergründen. Da Walter seit 29 Jahren in Paraguay lebt und auch schon viel im Chaco gejagt hat, kannte er diesen wie seine Westentasche. Der Chaco selber ist eine sehr dünn besiedelte Region im Nordwesten von Paraguay. Aufgeteilt in die drei Departamentos „Presidente Hayes“, „Alto Paraguay“ und „Boqueron“ wohnen auf einer Fläche von ca. 248 Tausend Quadratkilometern 143 Tausend Einwohner. Das macht ca. 1,7 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Vergleich zu dieser Zahl: Deutschland hat 229 Einwohner pro Quadratkilometer und ist nicht viel größer.

Der Lesende wird sich jetzt fragen: Was treibt einen in den Chaco, in the „Middle of Nowhere„? Die Antwort ist vielschichtig, zwei Gründe seien hier genannt: Mich reizen solch verlassene Landstriche aufgrund ihrer Weite und Ursprünglichkeit. Außerdem hatte ich von den deutschstämmigen Mennoniten gelesen, die vor 80 Jahren von Russland aus religiösen sowie wirtschaftlichen Gründen geflüchtet sind und einen Teil des Chaco landschaftlich mit viel Arbeit erschlossen haben. Denn der Boden im Chaco besteht nur aus Lehm und nimmt kein Wasser auf, so dass beim Regen alles überschwemmt wird. Außerhalb der Regenzeit trocknet er jedoch schnell aus und es entsteht eine staubige Wüste. Steine gibt es außer an einem besonderen Ort überhaupt nicht, damit fehlt jegliches Baumaterial für feste Häuser und Straßen.

Nach kleineren Reisevorbereitungen am Donnerstag sowie einen Abstecher nach „Villarrica“ mit Steffie, die sich gerade mit ihrem Mann in Cornel Oviedo niedergelassen hat, ging es dann am Freitag früh los. Wir hatten eine lange Anreise vor uns, insgesamt 470 km, also sind wir um 7 Uhr losgefahren. Die erste Pause haben wir dann im Chaco, 50 km hinter der „Remansobrücke“, eingelegt und uns dabei gleich festgefahren. Walter und ich haben nicht gesehen, dass die Wiese mit dem hohen Gras unter Wasser stand. Kein Problem, denn den Wagen haben wir mit den beiden Sandblechen schnell rausbekommen.

Abends haben wir dann hinter „Pozo Colorado“ unser Tagesziel „Buffalo Bill“ erreicht. Dies ist eine alte Ferienanlage zu denen früher die vermögenden Paraguayos kamen um es sich hier gut gehen zu lassen. Inzwischen total zerfallen wurde sie von einem jungen Paraguayo mit seiner Frau und seinem Säugling bewohnt, damit hier nicht alles geklaut wird. Der langsam denkende Bursche konnte mit 50.000 Guaraní dann dazu überredet werden, uns auf dem Platz zelten zu lassen und auch noch eine Dusche bereitzustellen. Die Dusche tat gut nach der Schlammschlacht zur Befreiung der Ente. Gegen die Mücken hat Walter dann gleich ein Feuer gemacht. Nach zwei Stunden fing es an zu regnen, unserer guten Laune und dem leckeren Essen, was wir uns gegrillt hatten, tat das aber kein Abbruch.

Die Mücken wurden jedoch zu einem Problem: Trotz Regen und Feuer waren sie aggressiv und stachen, wo nur ein wenig freie Haut zu finden war. Ich hatte feste Schuhe angezogen, die Regenjacke und natürlich eine lange Hose an; so ließ es sich aushalten. Nachts jedoch, als ich leicht bekleidet aus meinem Zelt gekrabbelt kam, um ein kleines Geschäft zu verrichten, kamen sie trotz Regen in Schwärmen auf mich zugeflogen. Sie haben mich wirklich gründlich zerstochen. Das wäre noch zu ertragen gewesen, aber als ich in mein Zelt zurück kehrte, war dies ebenfalls voll von diesen Blut saugenden Monstern. Alle Versuche sie auszuräuchern, tot zu schlagen oder anderweitig rauszuekeln schlugen fehl. Ab morgens um 4 Uhr war ich obdachlos.

Den Rest der Nacht habe ich dann vorm Feuer verbracht. Sobald ich jedoch den Rauch verließ, kamen sie wieder und wollten sich an mir belaben. Meine Füße habe ich dann in Schlamm getaucht, so boten sie wenig Angriffsfläche. Mein Gesicht, meine Hände und meine Arme habe ich mit Asche eingerieben, das half zwar wenig, stärkte aber meinen Kampfgeist (Mückenspray war dagegen vollkommen wirkungslos!). Belohnt wurde der Überlebenskampf dann mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Toll war es so weit draußen zu sein und wirklich nur Natur zu hören.

Als Walter aufstand mussten wir eine bittere Bilanz ziehen: Walter vollständig zerstochen, ich ebenfalls. An den offenen Köperstellen war auf jedem Quadratcentimeter ein Mückenstich. Etliche Mücken hatten es auch geschafft durch die Kleidung durchzustechen. Bei mir sind die Hände und Arme komplett angeschwollen. Nach einem spärlichen Frühstück haben wir dann die Flucht ergriffen.

Kaum im Auto und auf Reise war die Stimmung wieder gut. Wir sind den Trans-Chaco weiter bis „Mariscal Estrigarribia“ und dort von der festen Straße ab 40 km nach „Rosaleda“ gefahren. Dies ist ein kleines Dorf was von Schweizer Auswanderern vor ca. 20 Jahren gegründet wurde. Überwiegend Rentner und finanziell gut betuchte Aussteiger haben sich dort niedergelassen und sich schöne Anwesen mitten im Busch geschaffen.

Wir haben uns Rosaleda aber nur kurz angeschaut und sind dann gleich weiter zu Walter, Monika und deren beiden Kindern auf ihre 20 km entfernte Farm. Sehr ursprünglich. Walter hat 500 Hektar hier vor 10 Jahren gekauft, 50 davon hat er inzwischen gerodet und bewirtschaftet sie mit Viehzucht. Seiner Aussage nach kann man gut davon leben, muss nicht so viel arbeiten, reich wird man jedoch nicht. Monika hat sich gleich meiner Mückenstiche angenommen, einen “Aloe vera“-Zweig abgeschnitten (sieht aus wie eine Algarve) und den Saft auf die Haut aufgetragen. Das habe ich dann noch mal vor dem Schlafen gehen wiederholt, morgens nachgelegt und die Schwellungen sowie die ganzen Stiche waren weg. Super!

Geblieben sind wir nur über Nacht. Ich habe mein Zelt auf der Ladefläche von Walters LKW aufgeschlagen, da es dort überdacht war. Es gäbe noch viel von dem Besuch zu erzählen, ich möchte aber hier die Privatsphäre von unseren Gastgebern nicht verletzen. Wer Interesse an solch einem Leben hat frage mich einfach persönlich. Alles in allem war es hier sehr sehr nett mit den Vieren und ein tolles Erlebnis!

Vormittags haben wir nochmal einen Abstecher nach Rosaleda gemacht. Dort ist fast jeden Vormittag Stammtisch und da es Sonntag war, war er besonders gut besucht. Wir haben mit ca. 15 Bewohnern von Rosaleda zusammen gesessen und nett geklönt. Es wurde vom Leben dort erzählt, aber auch gefragt, was einen denn in diese Ecke verschlägt. Gelernt haben wir auch, dass man nicht für eine eMail den Stromgenerator anschmeißen kann. Da haben wir alle viel gelacht. Ich gebe zu, ich habe es mir einsiedlerischer vorgestellt. Aber die Bewohner von Rosaleda sind in ihrem Leben viel rumgekommen und haben sich sehr bewusst für das Auswandern entschieden. Auch sind sie nicht ganz unter sich geblieben sondern haben auch Deutsche und Holländer in ihre neue Heimat aufgenommen. Somit erschien es mir eine nette Gemeinschaft und ich habe mich sehr über die Gastfreundschaft gefreut.

Mittags ging es dann weiter in Richtung „Filadelfia“. Auf halbem Wege zum Trans-Chaco wurden wir vom Regen eingeholt. Auf diesen schlammigen Straßen können verbleibende 20 km dann sehr anstrengend werden. Die letzten 2-3 km sind wir nur noch im 1 Gang vorwärts gekommen. Das Hauptproblem ist dabei nicht, dass man sich fest fährt (was natürlich auch passieren kann), sondern, dass der Matsch so glatt wird, dass es den Wagen nicht mehr in der Spur hält. Es ist fahren wie auf dem Eis. Frontantrieb hat dabei einen leichten Vorteil gegenüber Allrad oder Heckantrieb, weil er den Wagen hinter sich herzieht. Um es kurz zu machen: Wir haben es gerade noch geschafft auf den asphaltierten Trans-Chaco zu kommen. Mitunter kann man auf den Pisten Tage festsitzen, bis der Schlamm wieder getrocknet ist und die Straße befahrbar wird. In Filadelfia sind wir entsprechend spät angekommen. Wir haben uns im „Hotel Florida“ einquartiert und sind von einem Deutschen Landsmann zu Pizza und Wein eingeladen worden. Es war eine nette und feucht-fröhlich Runde.

Am nächsten Tag bin ich dann rüber ins „Mennoniten“-Museum und habe mich über deren Geschichte kundig gemacht. Diese gebe ich hier im Kurzdurchlauf wieder: Die Mennoniten sind ursprünglich aus der Region Groningen und Ostfriesland als eigenständige protestantische Gemeinschaft ausgewandert, weil sie  sich nicht der Autorität des Staates unterwerfen lassen wollten. Bestes Beispiel hierfür ist die Wehrpflicht, die sie gemäß ihres Glaubens nicht praktizieren dürfen. Da sie als rechtschaffende Menschen bekannt waren, fanden sie eine neue Heimat in Russland und bekamen dort die für ihren Glauben notwendige Freiheiten. Dies währte immerhin 200 Jahre, bis die russische Revolution ihnen die Glaubensfreiheit sowie den freien Handel absprach.

Unter diesen Umständen suchten sie auf der Welt eine neue Heimat. Einige gingen nach Kanada, einige nach Brasilien und ca. 4000 Mennoniten ab 1931 in den Chaco. Vom internationalen Mennoniten-Dachverband und wohl auch mit Spenden aus Deutschland (persönlich auch von Reichspräsident von Hindenburg) erhielten sie das Nötigste um sich in dieser rauen Landschaft eine neue Existenz aufzubauen. In diesem Zuge wurde die Kolonie „Fernheim“ gegründet. Der Staat Paraguay gewährte ihnen einmal 50 und nochmal 30 Jahre volle staatliche Autonomie. D.h., sie mussten keinen Militärdienst ableisten, keine Steuern zahlen und durften ihre Kinder gemäß ihren Vorstellungen unterrichten (Religiös, in deutscher Sprache, usw.). Die neuen Bedingungen werden derzeit ausgehandelt.

Inzwischen sind die Mennoniten folglich 80 Jahren in diesem Land und haben viel vorzuweisen. Ihre Farmen werden modern bewirtschaftet und geben vielen Paraguayos sowie Indianern Arbeit. Imposant, was sie geschaffen haben. Besonders ihr Zusammenhalt, ihr Fleiß und ihre technische Aufgeschlossenheit hat dies möglich gemacht. Die Lehrerausbildung wird sogar vom deutschen Auslandsschulwesen unterstützt und Dozenten aus den Studienseminaren hierher abgeordnet.

Die gesellschaftliche Anerkennung der Mennoniten ist bei den Paraguayos sowie den anderen Deutschen/-stämmigen jedoch mäßig. Auf der einen Seite herrscht Anerkennung (aber auch Neid) über den ökonomischen Fortschritt, auf der anderen Seite erwirkt die streng religiöse und damit gesellschaftliche Abgrenzung (z.B. das Heiraten untereinander) Missgunst. Für mich war es erschreckend, wie besonders Deutsche/-stämmige sich ein abschließendes Bild über die Mennoniten gemacht haben, ohne jemals dort gewesen, geschweige denn mit ihnen gesprochen zu haben. Menschen, die sich als aufgeschlossen betrachten, stolz darauf sind, dass sie es geschafft haben sich in einem neuen Land eine Existenz aufzubauen und sowieso nicht so sind wie die Anderen, adaptieren die im Land schweifenden Vorurteile ohne Widerspruch.

Wir sind dann noch eine Nacht in Filadelfia geblieben und haben es uns gut gehen lassen. Danach sind wir weiter nach Concepción und haben dort die Stadt angeschaut. Concepción ist eine besondere Stadt: Auf der einen Seite abgelegen, auf der anderen Seite eine Provinzhauptstadt mit besonderem Flair. Der Hafen hier ist Umschlagplatz für alle möglichen Handelsgüter nach Asunción und Brasilien. Damit wird hier gut Geld verdient. Die Stadt ist durchdrungen mit kolonialem Baustil und man sieht häufig Pferdewagen. In den Nebenstraßen weiden die Tiere einfach auf der Straße. Trotzdem ist Concepción äußerst lebendig und durchaus auch modern, weil viele Händler, Motorräder und Autos die Stadt bevölkern. Wir sind aber nicht lange geblieben sondern 20 km weiter nach Belen gefahren. 1 km vor unserem Ziel und dem Ende der Reise hatten wir noch einen Platten. Den haben wir dann fachmännisch und mit Hilfe von zwei Zigaretten gewechselt 😉 Vielen Dank Walter, für den tollen Trip!!!

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