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Paraguay: Asunción

Bestimmen wir erst mal den Ausgangspunkt: Asunción ist keine dieser europäischen Hauptstädte, die sich mit Prachtbauten gegenseitig überbieten. Sicher, hier gibt es einen schönen Präsidentenpalast, ein historisches und ein modernes Senatsgebäude, eine Kathedrale, ein Pateón für die Helden des Landes, ein Museum zur Bauarchitektur und einen alten Bahnhof mit der ersten Lokomotive von Paraguay, um die zentralen Hauptattraktionen auf meinen Fotos zu benennen. Aber dafür braucht man nicht aus Europa herfliegen, um sich das anzuschauen.

Denn Asunción reiht sich erst mal in die typische südamerikanische Städtelandschaft ein: Besonders die älteren Stadtteile sind streng quadratisch angeordnet. Äußerst moderne Wolkenkratzer stehen neben wenig gepflegten kolonialen zweistöckigen Häusern. Das kann man sehr gut von Mbiguá aus sehen, einer Clubanlage auf der gegenüber vom Hafen liegenden Landzunge. Die Überfahrt ist kostenlos, man hat eine schöne Aussicht und kann sich ein wenig vom Stadttrubel erholen.

Wie der gemischte Zustand der Gebäude schon vermuten lässt, teilen sich in Asunción Arm wie Reich den öffentlichen Raum. Jeder Block (cuadro) fasst ein Gemisch aus den verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, trotz dessen der bessergestellte Paraguayo ein Teil seines Lebens lieber in einem privaten Club oder in einen der klimatisierten Shopping-Center weiter am Stadtrand verbringt.

Es sind also nicht die durchaus gut herausgeputzten Sehenswürdigkeiten, die gerade das Centrum von Asunción sehenswert machen, sondern das bunte Miteinander in dieser Stadt. Arm und Reich wohnen hier so dicht beieinander, dass dies auch vor dem Präsidentenpalast oder dem Senat nicht halt macht. Denn direkt daneben (keine 30 m entfernt) und unübersehbar beginnen die Bretterbuden und damit das einfache Leben der Schuhputzer, Träger und Bananenverkäufer. An ihre soziale Verantwortung werden der Präsident ebenso wie die Senatoren jeden Tag aufs Neue erinnert. Die katholische Universität, an der ich tätig war, ist ähnlich gelegen. Wegschauen ist da kaum möglich.

Die wirklichen Umstände für dieses dichte Miteinander sind mir nicht bekannt. Zu unterschiedlich waren die Antworten, die ich beim Nachfragen erhalten habe. Einige Sachverhalte kann man einfach nicht erklären, die entwickeln sich aus dem Alltag, ohne dass ein menschlicher Plan dahinter steht. Das es so ist, finde ich jedoch sympathisch wie auch spannend an Asunción. Genau das ist es, was die Stadt für mich sehenswert macht.

Am besten kann man es beobachten, wenn man sich in Ruhe auf eine Parkbank setzt und die Leute an sich vorbeiziehen lässt. Jeder erzählt durch seinen Gang, seine Kleidung oder auch seine Hautfarbe seine eigene Geschichte. Was den Paraguayo dabei so angenehm macht, dass sie sich trotzdem respektvoll behandeln. Der Reiche, der Durchschnittsbürger und der Arme gehen ganz normal miteinander um. Berührungsschwierigkeiten scheint es selten zu geben. Man drängt sich nicht auf sondern jeder geht seines Weges. Selbst mich als Europäer lässt man in Ruhe, wenn man von den Geldwechslern mal absieht.

Da ich gerne auf Märkte gehe, war der Pettriossi-Markt für mich ein Muss. Ich hatte ihn auf meiner Liste ganz oben stehen, da komme ich doch bei der Suche nach Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe meiner Unterkunft per Zufall dort vorbei. Die Gelegenheit habe ich natürlich genutzt hier meine Besorgungen zu machen. Trotz des großen Gewühls auf dem Basar geht es freundlich zu. Die Händler sprechen einen manchmal an, aufdringlich ist dabei aber keiner.

Kleidung, Schuhe, Gewürze, Obst, Gemüse, Käse, Eier, Wurst, Elektronik, Möbel und viele Sachen mehr kann man hier kaufen. Nur Milchprodukte scheint es nicht zu geben, die sind wahrscheinlich zu teuer, da Milch oder Joghurt fast so viel kostet wie in Deutschland. Super günstig und lecker sind die kleinen Stände, an denen Fleisch gegrillt wird. Die Stände sind sehr einfach und zwischen Bürgersteig und Straße aufgebaut. Die Autos fahren direkt an einem vorbei. Erst kommt das frische Fleisch in einen Topf und wird langsam gekocht, danach geht es auf den Holzkohlegrill. Alleine der Geruch der Holzkohle lässt einen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Der Preis für reichlich Fleisch mit Maniok und einer Cola liegt bei ungefähr 2 Euro. Dafür ist man dann lecker gesättigt.

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Paraguay: Busfahren in Asunción

Ein besonderes Erlebnis und eine sportliche sowie intellektuelle Herausforderung ist das Busfahren in Asunción. Die intellektuelle Herausforderung besteht darin, dass man herausbekommen muss, wie die Linien fahren. Am Anfang habe ich einfach immer gefragt und dann hatte ich die wichtigsten Busse für meine Fahrten zur Uni oder zum Shopping-Center auf dem Schirm. Will man aber mal woanders hin, muss man in den Plan schauen. Der geht so: Zielstadtteil schauen, welche Linien dort fahren, eigenen Stadtteil schauen, welche Linien dort fahren. Dann muss man durch gleichzeitiges hin und her blättern zwischen den Seiten die Schnittmenge bilden und so herausbekommen, welche Linie beide Stadtteile passiert. Das ist dann die Linie, die man nehmen muss.

Wenn man umsteigen muss wird es schwieriger, denn dann muss man die Schnittmenge in einem dritten, aber ja noch nicht bekannten Ort bilden. Das macht man aber nicht, da man bei jedem mal Umsteigen neu bezahlen muss. Da die Busse kreuz und quer durch die Stadt fahren, kommt man aber auch ohne umsteigen irgendwann dort an, wo man will. Dauert zwar länger, dafür spart man sich aber die komplexe Bildung der Schnittmenge sowie 40 Euro-Cent. Letzteres ist ja ein gewichtiges Argument für den Europäer wie auch für den Paraguayo.

Hat man jetzt die passende Buslinie parat, muss man sich an die jeweilige Straße stellen, die der Bus passiert. Jetzt heißt es für kurzsichtige Brille aufsetzen, denn die Busse kommen geradezu angeschossen und man hat nur ganz wenig Zeit, die Busnummer zu lesen. Glaubt man die passende Nummer auf dem Bus gelesen zu haben, ganz schnell den Daumen raus, damit er auch anhält. Das klingt jetzt einfach, ist es jedoch nicht. Es gibt da mehrere Hürden: Erstens, als Anfänger steht man so, dass man die Nummer nicht oder nicht rechtzeitig lesen kann. Meistens ist ein Baum im Weg, ein LKW verdeckt die Sicht oder was auch immer. Zweitens reicht es nicht sich auf die gelesene Busnummer zu beschränken. Die Linie 12 gibt es in vielen Variationen und die stehen dann kleingedruckt noch irgendwo in der Windschutzscheibe. Findet man das nicht, dann hilft nur Fragen: Ist das die 12-1 oder 12-1-1 oder 12-2 oder …? Fährt dieser Bus nach XYZ? Die Busfahrer sind dann sehr verständnisvoll und nennen einem die gewünschte Information sowie auch alternative Linien. Da der Bus aber weiterfahren muss, fährt man schon ein Stückchen mit und muss wieder aussteigen.

Ist der Bus nun richtig gewesen, sollte man das Geld schon in der Hand halten. Die Fliehkräfte im Bus – und das ist der erste Teil der sportlichen Herausforderung – erlauben kein langes sondieren von Kleingeld in der Hosentasche, geschweige denn mit zwei Händen Scheine aus dem Portmonee zu holen. Festhalten und Gleichgewicht nicht verlieren, ist von nun bis zum Aussteigen angesagt.

Sollte man auf die Idee kommen, sich selbst zu bemitleiden, empfiehlt es sich hinter dem Busfahrer Platz zu nehmen. Der muss nämlich einen Mercedes Rundhauber (in Deutschland bis 1977 gebaut) ohne Servolenkung bei einem Mörderverkehr unfallfrei und zügig manövrieren, auf die überwiegend im Schatten wartenden Mitfahrwilligen am Straßenrand achten, das Geld für das Ticket kassieren und Wechselgeld rausgeben. Das alles natürlich ohne Klimaanlage und zum Teil nur auf einem geflochtenen Stuhl. Nach dieser Beobachtung genießt man den wohl geformten Polyesterstuhl, den man zumindest außerhalb der Hauptverkehrszeit meistens ergattern kann. Während der Fahrt schaut man sich aus dem offenen Fenstern die Stadt aus der Formel 1-Perspektive an.

Aus- wie Einsteigen ist auch so eine Sache für sich und damit der zweite Teil der sportlichen Herausforderung: Erst mal muss man feststellen, dass der Bus für einen Mann nicht einfach hält. Er rollt an einem vorbei und man muss auf- oder abspringen. Das ist praktikabel, aber mit Flipflops sollte man ein wenig vorsichtig sein. Ältere Leute sowie die weibliche Bevölkerung genießen da aber Privilegien, für die wird gehalten.

Da es keine festen Haltestellen gibt, kann man überall aussteigen und das geht so: Entweder hängt durch den Bus hindurch eine Leine, an der man ziehen muss, oder es befindet sich ein Knopf über der Ausgangstür. Sobald man die Signalisierung betätigt hat – vorher gut festhalten! – wird vom Busfahrer der Anker geworfen. So fühlt es sich zumindest an, eine Vollbremsung ist nichts dagegen. Wenn die hintere Tür wegen der Hitze nicht sowieso schon offen ist, dann öffnet sie sich während der Ankerung langsam quietschend, als wenn Graf Dracula aus seinem Sarg kommt. Manchmal muss man der Tür vorm Abspringen noch nachhelfen, aber das bekommt man mit einer Hand schon hin (die andere Hand muss ja unbedingt verhindern, dass man nicht den Halt verliert).

So, jetzt beende ich meine sarkastischen Ausführungen mit schlechtem Gewissen, denn mich haben die Busse immer und überall gut hingebracht. Es ist günstig und sie sind zahlreich. Meistens geht es schnell bis ein passender Bus da ist. Bus- und U-Bahnfahren wird in Deutschland langweilig werden. Ich werde euch vermissen:

Ihr Busse von Asunción!

Paraguay: Mit dem 2CV durch den Chaco

Ziel meiner Fahrt nach „Coronel Oviedo“ war das Zuhause von Walter Schäffer, der geführte Touren mit der 2CV-Ente oder dem Land Rover zu allen Nachbarländern und natürlich auch innerhalb von Paraguay anbietet. Seine Web-Site zeigt sehr gut, was für Reisen man mit ihm machen kann. Da seine Fahrzeuge sehr alt sind, haben sie weder Klimaanlage noch schicke Sitze. Es geht spartanisch und urwüchsig zu. Wem das nichts ausmacht, den erwartet eine tolle Reise mit einem sehr netten und ebenso kundigen Reiseleiter.

Der Plan mit Walter war es den „Chaco“ zu ergründen. Da Walter seit 29 Jahren in Paraguay lebt und auch schon viel im Chaco gejagt hat, kannte er diesen wie seine Westentasche. Der Chaco selber ist eine sehr dünn besiedelte Region im Nordwesten von Paraguay. Aufgeteilt in die drei Departamentos „Presidente Hayes“, „Alto Paraguay“ und „Boqueron“ wohnen auf einer Fläche von ca. 248 Tausend Quadratkilometern 143 Tausend Einwohner. Das macht ca. 1,7 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Vergleich zu dieser Zahl: Deutschland hat 229 Einwohner pro Quadratkilometer und ist nicht viel größer.

Der Lesende wird sich jetzt fragen: Was treibt einen in den Chaco, in the „Middle of Nowhere„? Die Antwort ist vielschichtig, zwei Gründe seien hier genannt: Mich reizen solch verlassene Landstriche aufgrund ihrer Weite und Ursprünglichkeit. Außerdem hatte ich von den deutschstämmigen Mennoniten gelesen, die vor 80 Jahren von Russland aus religiösen sowie wirtschaftlichen Gründen geflüchtet sind und einen Teil des Chaco landschaftlich mit viel Arbeit erschlossen haben. Denn der Boden im Chaco besteht nur aus Lehm und nimmt kein Wasser auf, so dass beim Regen alles überschwemmt wird. Außerhalb der Regenzeit trocknet er jedoch schnell aus und es entsteht eine staubige Wüste. Steine gibt es außer an einem besonderen Ort überhaupt nicht, damit fehlt jegliches Baumaterial für feste Häuser und Straßen.

Nach kleineren Reisevorbereitungen am Donnerstag sowie einen Abstecher nach „Villarrica“ mit Steffie, die sich gerade mit ihrem Mann in Cornel Oviedo niedergelassen hat, ging es dann am Freitag früh los. Wir hatten eine lange Anreise vor uns, insgesamt 470 km, also sind wir um 7 Uhr losgefahren. Die erste Pause haben wir dann im Chaco, 50 km hinter der „Remansobrücke“, eingelegt und uns dabei gleich festgefahren. Walter und ich haben nicht gesehen, dass die Wiese mit dem hohen Gras unter Wasser stand. Kein Problem, denn den Wagen haben wir mit den beiden Sandblechen schnell rausbekommen.

Abends haben wir dann hinter „Pozo Colorado“ unser Tagesziel „Buffalo Bill“ erreicht. Dies ist eine alte Ferienanlage zu denen früher die vermögenden Paraguayos kamen um es sich hier gut gehen zu lassen. Inzwischen total zerfallen wurde sie von einem jungen Paraguayo mit seiner Frau und seinem Säugling bewohnt, damit hier nicht alles geklaut wird. Der langsam denkende Bursche konnte mit 50.000 Guaraní dann dazu überredet werden, uns auf dem Platz zelten zu lassen und auch noch eine Dusche bereitzustellen. Die Dusche tat gut nach der Schlammschlacht zur Befreiung der Ente. Gegen die Mücken hat Walter dann gleich ein Feuer gemacht. Nach zwei Stunden fing es an zu regnen, unserer guten Laune und dem leckeren Essen, was wir uns gegrillt hatten, tat das aber kein Abbruch.

Die Mücken wurden jedoch zu einem Problem: Trotz Regen und Feuer waren sie aggressiv und stachen, wo nur ein wenig freie Haut zu finden war. Ich hatte feste Schuhe angezogen, die Regenjacke und natürlich eine lange Hose an; so ließ es sich aushalten. Nachts jedoch, als ich leicht bekleidet aus meinem Zelt gekrabbelt kam, um ein kleines Geschäft zu verrichten, kamen sie trotz Regen in Schwärmen auf mich zugeflogen. Sie haben mich wirklich gründlich zerstochen. Das wäre noch zu ertragen gewesen, aber als ich in mein Zelt zurück kehrte, war dies ebenfalls voll von diesen Blut saugenden Monstern. Alle Versuche sie auszuräuchern, tot zu schlagen oder anderweitig rauszuekeln schlugen fehl. Ab morgens um 4 Uhr war ich obdachlos.

Den Rest der Nacht habe ich dann vorm Feuer verbracht. Sobald ich jedoch den Rauch verließ, kamen sie wieder und wollten sich an mir belaben. Meine Füße habe ich dann in Schlamm getaucht, so boten sie wenig Angriffsfläche. Mein Gesicht, meine Hände und meine Arme habe ich mit Asche eingerieben, das half zwar wenig, stärkte aber meinen Kampfgeist (Mückenspray war dagegen vollkommen wirkungslos!). Belohnt wurde der Überlebenskampf dann mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Toll war es so weit draußen zu sein und wirklich nur Natur zu hören.

Als Walter aufstand mussten wir eine bittere Bilanz ziehen: Walter vollständig zerstochen, ich ebenfalls. An den offenen Köperstellen war auf jedem Quadratcentimeter ein Mückenstich. Etliche Mücken hatten es auch geschafft durch die Kleidung durchzustechen. Bei mir sind die Hände und Arme komplett angeschwollen. Nach einem spärlichen Frühstück haben wir dann die Flucht ergriffen.

Kaum im Auto und auf Reise war die Stimmung wieder gut. Wir sind den Trans-Chaco weiter bis „Mariscal Estrigarribia“ und dort von der festen Straße ab 40 km nach „Rosaleda“ gefahren. Dies ist ein kleines Dorf was von Schweizer Auswanderern vor ca. 20 Jahren gegründet wurde. Überwiegend Rentner und finanziell gut betuchte Aussteiger haben sich dort niedergelassen und sich schöne Anwesen mitten im Busch geschaffen.

Wir haben uns Rosaleda aber nur kurz angeschaut und sind dann gleich weiter zu Walter, Monika und deren beiden Kindern auf ihre 20 km entfernte Farm. Sehr ursprünglich. Walter hat 500 Hektar hier vor 10 Jahren gekauft, 50 davon hat er inzwischen gerodet und bewirtschaftet sie mit Viehzucht. Seiner Aussage nach kann man gut davon leben, muss nicht so viel arbeiten, reich wird man jedoch nicht. Monika hat sich gleich meiner Mückenstiche angenommen, einen “Aloe vera“-Zweig abgeschnitten (sieht aus wie eine Algarve) und den Saft auf die Haut aufgetragen. Das habe ich dann noch mal vor dem Schlafen gehen wiederholt, morgens nachgelegt und die Schwellungen sowie die ganzen Stiche waren weg. Super!

Geblieben sind wir nur über Nacht. Ich habe mein Zelt auf der Ladefläche von Walters LKW aufgeschlagen, da es dort überdacht war. Es gäbe noch viel von dem Besuch zu erzählen, ich möchte aber hier die Privatsphäre von unseren Gastgebern nicht verletzen. Wer Interesse an solch einem Leben hat frage mich einfach persönlich. Alles in allem war es hier sehr sehr nett mit den Vieren und ein tolles Erlebnis!

Vormittags haben wir nochmal einen Abstecher nach Rosaleda gemacht. Dort ist fast jeden Vormittag Stammtisch und da es Sonntag war, war er besonders gut besucht. Wir haben mit ca. 15 Bewohnern von Rosaleda zusammen gesessen und nett geklönt. Es wurde vom Leben dort erzählt, aber auch gefragt, was einen denn in diese Ecke verschlägt. Gelernt haben wir auch, dass man nicht für eine eMail den Stromgenerator anschmeißen kann. Da haben wir alle viel gelacht. Ich gebe zu, ich habe es mir einsiedlerischer vorgestellt. Aber die Bewohner von Rosaleda sind in ihrem Leben viel rumgekommen und haben sich sehr bewusst für das Auswandern entschieden. Auch sind sie nicht ganz unter sich geblieben sondern haben auch Deutsche und Holländer in ihre neue Heimat aufgenommen. Somit erschien es mir eine nette Gemeinschaft und ich habe mich sehr über die Gastfreundschaft gefreut.

Mittags ging es dann weiter in Richtung „Filadelfia“. Auf halbem Wege zum Trans-Chaco wurden wir vom Regen eingeholt. Auf diesen schlammigen Straßen können verbleibende 20 km dann sehr anstrengend werden. Die letzten 2-3 km sind wir nur noch im 1 Gang vorwärts gekommen. Das Hauptproblem ist dabei nicht, dass man sich fest fährt (was natürlich auch passieren kann), sondern, dass der Matsch so glatt wird, dass es den Wagen nicht mehr in der Spur hält. Es ist fahren wie auf dem Eis. Frontantrieb hat dabei einen leichten Vorteil gegenüber Allrad oder Heckantrieb, weil er den Wagen hinter sich herzieht. Um es kurz zu machen: Wir haben es gerade noch geschafft auf den asphaltierten Trans-Chaco zu kommen. Mitunter kann man auf den Pisten Tage festsitzen, bis der Schlamm wieder getrocknet ist und die Straße befahrbar wird. In Filadelfia sind wir entsprechend spät angekommen. Wir haben uns im „Hotel Florida“ einquartiert und sind von einem Deutschen Landsmann zu Pizza und Wein eingeladen worden. Es war eine nette und feucht-fröhlich Runde.

Am nächsten Tag bin ich dann rüber ins „Mennoniten“-Museum und habe mich über deren Geschichte kundig gemacht. Diese gebe ich hier im Kurzdurchlauf wieder: Die Mennoniten sind ursprünglich aus der Region Groningen und Ostfriesland als eigenständige protestantische Gemeinschaft ausgewandert, weil sie  sich nicht der Autorität des Staates unterwerfen lassen wollten. Bestes Beispiel hierfür ist die Wehrpflicht, die sie gemäß ihres Glaubens nicht praktizieren dürfen. Da sie als rechtschaffende Menschen bekannt waren, fanden sie eine neue Heimat in Russland und bekamen dort die für ihren Glauben notwendige Freiheiten. Dies währte immerhin 200 Jahre, bis die russische Revolution ihnen die Glaubensfreiheit sowie den freien Handel absprach.

Unter diesen Umständen suchten sie auf der Welt eine neue Heimat. Einige gingen nach Kanada, einige nach Brasilien und ca. 4000 Mennoniten ab 1931 in den Chaco. Vom internationalen Mennoniten-Dachverband und wohl auch mit Spenden aus Deutschland (persönlich auch von Reichspräsident von Hindenburg) erhielten sie das Nötigste um sich in dieser rauen Landschaft eine neue Existenz aufzubauen. In diesem Zuge wurde die Kolonie „Fernheim“ gegründet. Der Staat Paraguay gewährte ihnen einmal 50 und nochmal 30 Jahre volle staatliche Autonomie. D.h., sie mussten keinen Militärdienst ableisten, keine Steuern zahlen und durften ihre Kinder gemäß ihren Vorstellungen unterrichten (Religiös, in deutscher Sprache, usw.). Die neuen Bedingungen werden derzeit ausgehandelt.

Inzwischen sind die Mennoniten folglich 80 Jahren in diesem Land und haben viel vorzuweisen. Ihre Farmen werden modern bewirtschaftet und geben vielen Paraguayos sowie Indianern Arbeit. Imposant, was sie geschaffen haben. Besonders ihr Zusammenhalt, ihr Fleiß und ihre technische Aufgeschlossenheit hat dies möglich gemacht. Die Lehrerausbildung wird sogar vom deutschen Auslandsschulwesen unterstützt und Dozenten aus den Studienseminaren hierher abgeordnet.

Die gesellschaftliche Anerkennung der Mennoniten ist bei den Paraguayos sowie den anderen Deutschen/-stämmigen jedoch mäßig. Auf der einen Seite herrscht Anerkennung (aber auch Neid) über den ökonomischen Fortschritt, auf der anderen Seite erwirkt die streng religiöse und damit gesellschaftliche Abgrenzung (z.B. das Heiraten untereinander) Missgunst. Für mich war es erschreckend, wie besonders Deutsche/-stämmige sich ein abschließendes Bild über die Mennoniten gemacht haben, ohne jemals dort gewesen, geschweige denn mit ihnen gesprochen zu haben. Menschen, die sich als aufgeschlossen betrachten, stolz darauf sind, dass sie es geschafft haben sich in einem neuen Land eine Existenz aufzubauen und sowieso nicht so sind wie die Anderen, adaptieren die im Land schweifenden Vorurteile ohne Widerspruch.

Wir sind dann noch eine Nacht in Filadelfia geblieben und haben es uns gut gehen lassen. Danach sind wir weiter nach Concepción und haben dort die Stadt angeschaut. Concepción ist eine besondere Stadt: Auf der einen Seite abgelegen, auf der anderen Seite eine Provinzhauptstadt mit besonderem Flair. Der Hafen hier ist Umschlagplatz für alle möglichen Handelsgüter nach Asunción und Brasilien. Damit wird hier gut Geld verdient. Die Stadt ist durchdrungen mit kolonialem Baustil und man sieht häufig Pferdewagen. In den Nebenstraßen weiden die Tiere einfach auf der Straße. Trotzdem ist Concepción äußerst lebendig und durchaus auch modern, weil viele Händler, Motorräder und Autos die Stadt bevölkern. Wir sind aber nicht lange geblieben sondern 20 km weiter nach Belen gefahren. 1 km vor unserem Ziel und dem Ende der Reise hatten wir noch einen Platten. Den haben wir dann fachmännisch und mit Hilfe von zwei Zigaretten gewechselt 😉 Vielen Dank Walter, für den tollen Trip!!!

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Brasilien: Die Wasserfälle von Iguazú

Nachdem ich mich 5 Tage lang in Asunción (Paraguay) akklimatisiert hatte, musste es endlich auf Reise gehen. Viel zu lange hatte ich mich in meinem Zimmer bei kühler Klimaanlage verkrümelt und zu viel Zeit im Internet verbracht. Freitag früh um kurz vor 6 ging es dann auf Reise. Mit dem Rucksack zwei Blocks weiter an die Straße gestellt und auf meinen Bus gewartet. Am Überlandbusbahnhof (Terminal) hatte ich in 5 Minuten einen Platz im Bus nach „Ciudad del Este“. 70.000 Guaraní (ca. 12 Euro) für klimatisierte 400 Kilometer ist für uns Deutsche recht günstig. Die Überfahrt war unspektakulär, lecker jedoch die verkauften Backwaren im Bus.

Der Grenzübertritt nach Brasilien in Ciudad del Este war mühselig. Vom dortigen Terminal gibt es zwar einen Bus nach „Foz do Iguacu“ (Brasilien), der Busfahrer hielt jedoch irgendwann im Stau und sagte, ich solle die Straße runter laufen und ganz vorne in den Bus einsteigen. Ich war noch nicht ganz draußen, da ging der Regen schon los. Mit dem gesamten Gepäck dann an den ununterbrochenen aber überdachten Verkaufsständen entlang, denn diese Stadt lebt davon, dass die Brasilianer hier billig alles Mögliche einkaufen. Zwischendurch habe ich immer wieder die Angebote, ein Taxi oder Motorrad zu nehmen, ausgeschlagen. Die Taxen, weil die auch warten mussten, und Motorrad kam ebenfalls nicht in Frage, weil ich nicht im Regen absaufen wollte.

Bin dann bis kurz vor die Grenzstation und habe mir dort einen Privatwagen mit Fahrer genommen. 20 Real sind ein wenig mehr als 10 Euro, also doch schon ziemlich teuer. Egal, den Bus hatte ich nicht wiedergefunden und ich kam an den Punkt, dass erhöhter Reisekomfort mir jetzt gut tun würde. Im Endeffekt hat der Privatwagen mich dann für insgesamt 60 Real noch bis zu meiner Unterkunft außerhalb von Foz do Iguacu gebracht. Die Anreisebeschreibung, die ich hatte, war einfach zu lückenhaft um dort ohne 100 Irrwege hinzukommen.

Die Unterkunft im „Hostel Natura“ hat mir auf Anhieb gut gefallen. Große Anlage mit einem kleinen Teich, davor ein Quincho zum relaxen. Mein Zelt hat auch gleich einen schönen Platz gefunden. Im Hostel habe ich viele Leute kennengelernt, die Hälfte der Kunden waren Deutsche und wir hatten nette Abende zusammen. Ans Herz gewachsen sind mir Mark und Mary, die beide in Australien leben (150 km nördlich von Broome). Er Neu Seeländer, sie Malaiin. Er Hippie, sie Bergbauingenieurin. Gegensätze ziehen sich an.

Am Samstag habe ich es dann ruhig angehen lassen und bin zu den Wasserfällen auf der brasilianischen Seite gefahren. Die Anreise ist einfach und schnell bewerkstelligt. Der Eingang in den Park ist sehr großzügig gehalten. Perfekt organisiert geht es nach dem Eintritt mit dem Sammelbus durch den Nationalpark zu den Wasserfällen. Wenn man es vorher noch nicht registriert hat, Brasilien ist nicht billig. Die Preise hier in der Anlage können mit den Deutschen durchaus mithalten.

Der Blick auf die Wasserfälle entschädigt einen dann aber für all den Kommerz, den man über sich ergehen lassen muss. Auch der Zugang zu den Wasserfällen ist großzügig gehalten, so dass es bei den vielen Menschen nicht zum Gedrängel kommt. Geradezu verschwenderisch erscheinen einem all die aufgereihten Wasserfälle. Im späteren Verlauf kommt man immer näher an die Wasserfälle heran und kann sich in der Gischt baden. Ich denke, hier sprechen die Bilder für sich, so dass ich auf weitere Ausführungen verzichte.

Am nächsten Tag ging es dann mit einer geführten Reise auf die argentinische Seite der Wasserfälle. Ich hatte mich kurzfristig für diese teurere Variante entschieden, weil Mark und Mary mitgefahren sind, ich keine Lust hatte dreimal den Bus zu wechseln und dann noch Geld eintauschen zu müssen. Denn die Argentinier nehmen im Park nur Bares und das nur in ihrer eigenen Währung.

Diese Seite der Wasserfälle ist ursprünglicher. Kurzum, man hat nicht ganz so den Panoramablick wie von Brasilien aus, dafür kommt man aber näher ans Wasser heran. Die Argentinier haben versucht die Wasserfälle möglichst ursprünglich zu halten und damit auf Natur gesetzt. Es ist erklärtes Ziel des Parks auch die Welt des Regenwaldes aufzuzeigen. Das ist ihnen trotz des Massentourismus sehr gut gelungen.

Entsprechend sieht man schöne Botanik und lokale Tierchen. Gleich am Eingang begrüßte uns ein Tukan auf einer Palme, die niedlichen Nasenbären kann man unterwegs streicheln. Highlight ist im oberen Flusslauf die „Carganta del Diablo“. Kesselförmig fällt hier das Wasser in die Schlucht und man kommt ganz nah an das Geschehen heran. Die Luft ist voller Gischt und man wird dabei richtig nass. Die Kraft des Wassers zu spüren ist gewaltig!

Fazit: Man sollte sich auf jeden Fall beide Seiten der Wasserfälle anschauen. Hat man jedoch wirklich nur einen Tag Zeit, sollte man die argentinische Seite besuchen. Wer schon mal die Niagara Fälle gesehen hat: Die Wasserfälle von Iguazú sind auf jeden Fall eine Klasse besser. Nicht so überlaufen und im Vergleich viel natürlicher gehalten.

Nach einem Tag Pause bin ich noch in den Vogelpark „Parque das Aves“. Dieser liegt kurz vorm Eingang der brasilianischen Wasserfälle und ist ebenfalls seine Anreise wert. Der gesamte Park mit all seinen Attraktionen liegt in einem Urwald. Entsprechend toll ist das Ambiente. Die Vögel sind wunderschön und vielmals zutraulich, den Tukan kann man sogar streicheln. Ich denke auch hierüber liefern die Bilder einen guten Eindruck. Aus meiner Sicht ist der Park sehr empfehlenswert.

Am Mittwoch bin ich dann wieder über Foz do Iguacu nach Paraguay gereist. Diesmal ging es mit dem Linienbus über die Grenze. 2 Stunden dauerte die Fahrt, da der Grenzübergang komplett überlastet ist. Letzten endlich bin ich dann aber gut am Terminal in Ciudad del Este angekommen und habe auch sofort einen Bus nach „Coronel Oviedo“ bekommen.

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